Mittwoch, 7. Februar 2007

Um Gewalt im Irak einzudämmen: Groß- offensive gegen Aufständische hat begonnen

  • Beteiligung irakischer und amerikanischer Truppen
  • Bis zu 90.000 Mann nehmen an Operation teil

Laut der Mitteilung eines US-Militärsprechers hat die erwartetes Großoffensive der irakischen und amerikanischen Truppen gegen Aufständische in Bagdad begonnen. Die ersten Schritte seien getan, sagte Generalmajor William Caldwell. Schon in der Nacht begannen Truppen mit der Umsetzung der angekündigten Sicherheitsplans der irakischen Regierung für die Hauptstadt. 2.000 Soldaten aus den USA und mehrere hundert aus dem Irak hätten das sunnitische Viertel Adhamiya nach Aufständischen und Waffen durchkämmt, sagte Major Robie Parke der Nachrichtenagentur AFP.

Bei dem Einsatz wurden mehr als ein Dutzend Menschen festgenommen und eine große Zahl an Waffen beschlagnahmt, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Ein Mitarbeiter des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki widersprach allerdings der Darstellung, die Umsetzung des neuen Sicherheitsplans habe bereits begonnen. Derlei Aktionen hatte es seit Wochen gegeben. Ein ranghoher US-Offizier sagte, der Sicherheitsplan sei ein "Prozess", der bereits begonnen habe. "Das ist ein langfristiger Einsatz, der nicht nur drei Tage oder eine Woche dauert", sagte der Offizier der AFP. Daher könne nicht davon die Rede sein, dass der Plan an einem bestimmten Tag beginne.

Mit dem Einsatz soll ein Großaufgebot von bis zu 90.000 Mann die eskalierende Gewalt in der irakischen Hauptstadt in den Griff bekommen. Soldaten und Polizisten hatten am Montag neue Straßensperren errichtet; eine Befehlszentrale war in Betrieb genommen worden. Bagdad soll für die Operation in neun Bezirke eingeteilt werden. In jedem davon könnten bis zu 600 US-Soldaten zur Unterstützung der irakischen Truppen eingesetzt werden. Das Kommando führt der irakische General Abbud Gambar. US-Präsident George W. Bush hatte im Jänner im Rahmen seiner neuen Irak-Strategie die Entsendung weiterer 21.000 Soldaten angekündigt. Mindestens 3.200 davon sind schon an Ort und Stelle eingetroffen. Beobachter sehen in der groß angelegten Operation die letzte Chance, die Gewalt in Bagdad und Umgebung einzudämmen.

Bei Anschlägen und Angriffen kamen im Irak erneut mindestens 15 Menschen ums Leben. Im nördlichen Mossul wurde nach Polizeiangaben eine Regierungsmitarbeiterin erschossen, als sie mit ihrem Mann zur Arbeit fuhr. Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe wurden östlich von Bagdad ein Polizist getötet und drei weitere verletzt. Die US-Streitkräfte verloren erneut einen Hubschrauber im Irak, den fünften in rund zwei Wochen. Der Helikopter sei am Mittwoch nordwestlich von Bagdad abgestürzt, erklärten die Streitkräfte. Augenzeugen zufolge wurde er abgeschossen.

Soldaten der irakischen Armee töteten in der westirakischen Stadt Ramadi zehn Aufständische. Wie der staatliche Fernsehsender Al-Irakiya weiter berichtete, wurden nach einem Gefecht zahlreiche "Terroristen" festgenommen.

(apa/red)

7.2.2007 15:55