Sonntag, 11. Februar 2007

Nach Tod des "Vaters aller Turkmenen": Bevölkerung durfte zum ersten Mal wählen

  • Interimspräsident galt schon im Vorfeld als Gewinner
  • Dennoch zaghafte Reform-Bemühungen bemerkbar

Nach 21 Jahren unter der Alleinherrschaft von Präsident Nijasow haben die Turkmenen einen neuen Staatschef gewählt. Zum ersten Mal konnten die 2,6 Millionen Wahlberechtigten in dem zentralasiatischen Land dabei zwischen mehreren Kandidaten entscheiden. Als Favorit unter den sechs Anwärtern galt der stellvertretende Regierungschef Berdymuchammedow.

Berdymuchammedow hatte direkt nach Nijasows Tod im Dezember dessen Amtsvollmachten übernommen. Er hatte Pläne für demokratische Reformen angedeutet. Fraglich blieb, wie ernst er es damit meinte. Berdymuchammedow gehört der einzigen in Turkmenistan zugelassenen politischen Formation, der Demokratischen Partei, an.

Bei der Wahlbeteiligung zeichneten sich ein fast "sozialistisches" Ergebnis ab. Vier Stunden vor Schließung der Wahllokale lag die Quote bereits bei mehr als 85 Prozent. Vorläufige Ergebnisse wurden für Montag erwartet. Das Endresultat soll am Mittwoch vorliegen. An diesem Tag ist auch die Vereidigung des neuen Präsidenten geplant. Menschenrechtler haben die Wahl in der zentralasiatische Republik scharf kritisiert und befürchten eine "neue Diktatur".

Experten räumten der "grauen Eminenz" hinter Nijasow, dem 49-jährigen Berdymuchammedow, die besten Chancen auf den Wahlsieg ein. Der frühere Gesundheitsminister war 2001 zum stellvertretenden Regierungschef aufgestiegen. Seinen großen politischen Einfluss stellte er unter Beweis, als er nach dem Tod Nijasows überraschend zum Interims-Präsidenten berufen wurde. Laut Verfassung hätte eigentlich Parlamentspräsident Atajew bis zu den Wahlen das höchste Amt im Staat übernehmen müssen - wegen Ermittlungen gegen Atajew wurde diese Regel jedoch außer Kraft gesetzt. (apa/red)

11.2.2007 15:06