Streit um Mohammed-Karikaturen vor Gericht: Prozess gegen Zeitungsmacher begonnen
- Paris: Islamrat und Moschee klagten "Charlie Hebdo"
- Herausgeber drohen Haftstrafe und hohe Geldbuße
Ein Jahr nach den Unruhen wegen der umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed hat in Paris ein Prozess gegen das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" begonnen. Der Verband der islamischen Organisationen Frankreichs hat die Zeitschrift wegen Beleidigung einer Religionsgemeinschaft verklagt. Dem Herausgeber Philippe Val droht eine Haftstrafe von sechs Monaten sowie eine Geldbuße in Höhe von 22.000 Euro.
In einem überfüllten Gerichtssaal rechtfertigte der Magazin-Chef die Entscheidung, die dänischen Karikaturen abzudrucken, mit dem Willen, "die Religion als Ideologie zu kritisieren." Er habe zeigen wollen, dass man dies in Frankreich tun könne, sagte Val. Mit dem Gerichtspublikum auf seiner Seite merkte er an, die Veröffentlichung habe "in keinem Fall Verachtung für Gläubige gleich welcher Religion ausgedrückt". Unerwartete Rückendeckung erhielt das Magazin von dem konservativen Präsidentschaftskandidaten Innenminister Nicolas Sarkozy, selbst oft in dem Blatt aufs Korn genommen. "Im Namen der Freiheit, über alles zu lachen", sicherte der Minister und Chef der Regierungspartei UMP in einem Brief seine Unterstützung zu.
Sonderausgabe des "Libération"
Der Prozess sorgt in Frankreich, wo schätzungsweise fünf Millionen Muslime leben, für großes Aufsehen. Die linksunabhängige Pariser Tageszeitung "Libération" erschien in einer von den "Charlie Hebdo"-Redakteuren erstellten Sonderausgabe, um gegen Zensur zu protestieren. Auf dem Titelblatt legt eine bärtige Figur mit schwarzem Turban die Axt an einen Bleistift. Die Zeitung zeigte zudem alle zwölf Karikaturen, die zuerst von der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" gedruckt worden waren und einen Aufruhr in der islamischen Welt ausgelöst hatten.
Prozess in Dänemark endete mit Freispruch
Ein Prozess gegen "Jyllands-Posten" endete im Herbst in Dänemark mit Freisprüchen. "Charlie Hebdo" hatte im Februar 2006 zwei Karikaturen nachgedruckt, die Klage richtet sich zudem gegen eine Zeichnung eines Redaktionsmitglieds, die auf der Titelseite erschienen war. Darauf verbirgt der islamische Religionsstifter Mohammed sein Gesicht in den Händen. In einer Sprechblase heißt es: "Es ist schwer, von Idioten geliebt zu werden."
Kritik an Religionen erlaubt?
Val erklärte den Prozess zu einem "mittelalterlichen Verfahren". Die Karikaturen, von denen eine Mohammed mit einem als Bombe geformten Turban zeigte, hätten sich gegen den Terrorismus und nicht gegen Muslime gerichtet. "Aber auch Religionen müssen kritisiert werden dürfen", sagte er auf einer Pressekonferenz vor dem Prozessauftakt. Vor Eröffnung des Verfahrens hatten französische Intellektuelle vor einer Selbstzensur gewarnt und auf das Recht auf Meinungsfreiheit hingewiesen. Die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF) stellte sich in einer Mitteilung "bedingungslos" hinter das Magazin.
(apa/red)
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