Massiver Schlag gegen Kinderpornografie:
'Größter je in Österreich ausgeforschter Fall'
- Platter: 2.361 Verdächtige in 77 Ländern ermittelt
- Sex-Videos: 8.000 Zugriffe innerhalb von 24 Stunden

Über einen Server einer Wiener Internetfirma haben skrupellose Kinderpornoproduzenten ihre abscheuliche "Ware" international angeboten. 2.361 Webuser aus 77 Ländern haben auf die Videodateien zugegriffen, die den schweren Missbrauch mehrerer Kinder zeigen. 23 Verdächtige stammen aus Österreich. Es handle sich um "den größten Fall von Weitergabe", der je in Österreich aufgedeckt wurde, sagte Innenminister Günther Platter bei einer Pressekonferenz in Wien.
Die Hinweise, die zur Aufdeckung des Falls führten, kamen im Juli 2006 von einem File-Sharing-Anbieter in Wien. Solche Internetfirmen offerieren Speicherplatz, den jeder nützen kann. Auf einen solchen Server hatten die Pornogeschäftemacher acht Videos hochgeladen. Diese waren mit einer russischen Website verlinkt, auf der die Filme zum Download angeboten wurden. Innerhalb von 24 Stunden gab es mehr als 8.000 Zugriffe. Die Konsumenten erkauften um 89 Dollar (68,7 Euro) ein dreimonatiges Zugriffsrecht.
Filme stammen aus Osteuropa
"Die Videos wurden vermutlich in Osteuropa hergestellt", berichtete Harald Gremel von der Meldestelle zur Bekämpfung von Kinderpornografie und Leiter der nach dem Hinweisgeber, einem Mitarbeiter der Internetfirma, benannten "Operation Flo". Von Großbritannien aus wurden die Filme auf den Server in Wien geladen. Ob von den Produzenten selbst, von Auftraggebern oder von zur Verwischung der Spuren eingeschalteten Mittelsmännern, ist Gegenstand von Ermittlungen der britischen Behörden. Das jüngste missbrauchte Mädchen sei schätzungsweise fünf Jahre alt, sagte Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt. Auf den Aufnahmen sind die Qualen mehrerer eindeutig minderjähriger Mädchen und Buben zu sehen.
Die Seite wurde vom Serverbetreiber sofort gesperrt, die Zugriffsliste der Meldestelle übermittelt und die Daten gesichert. Die Bandbreite der Konsumenten reiche "quer durch alle Schichten", sagte Gremel: Bei den Verdächtigen aus Österreich handelt es sich u.a. um Studenten, Schüler, Lehrlinge, Arbeitslose, Handwerker, Beamte und Pensionisten. Der jüngste ist 17, der älteste 69 Jahre alt. Sechs der Männer stammen aus Wien, vier aus der Steiermark, je drei aus dem Burgenland, Nieder- und Oberösterreich, jeweils zwei aus Salzburg und Tirol.
14 Verdächtige geständig
14 Verdächtige legten sofort Geständnisse ab. Drei Männer waren einschlägig vorbestraft, so Gremel. Alle 23 wurden wegen Besitzes von Kinderpornografie angezeigt. Die Polizei beschlagnahmte 31 PCs, sieben Laptops, 23 externe Festplatten und andere Speichermedien sowie 1.232 CDs und DVDs, 1.428 Disketten und 213 Videokassetten. Das beschlagnahmte Material mit kinderpornografischen Inhalten hat einen Umfang von acht Terabyte. Das entspricht 400 Millionen gedruckten A4-Seiten, erklärte Gremel.
Die österreichischen Ermittlungsergebnisse führten zu Nachforschungen auf mehreren Kontinenten. So wurde auf die kinderpornografischen Dateien aus Algerien und Venezuela ebenso wie aus Island und den USA zugegriffen. Aus Amerika kommen die meisten Verdächtigen (607). In Deutschland wird gegen 466 Personen ermittelt, in Frankreich gibt es 114 Verdächtige, berichtete Gremel.
Platter bezeichnete Kinderpornografie als "eine der abscheulichsten Straftaten" und verwies auf die laut Koalitionsprogramm geplante Einführung einer Sexualstraftäterdatei. Über eine Verschärfung des Strafrechts solle man nachdenken, ebenso über eine Ausweitung der Ermittlungsmethoden. Die Aufklärungsquote bei Kinderpornografie lag in Österreich im Jahr 2006 bei 88 Prozent. (apa/red)
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