Wehrpflichtige mit Run auf Zivildienst: Nach
Verkürzung wieder deutlich mehr Anträge
- Von 12 auf 9 Monate: 2006 Zuwachs von 10 Prozent
- Rotes Kreuz alarmiert: Brauchen 40 % mehr "Zivis"
·Kürzer, kein Zugang für Frauen, mehr Geld
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Nach der Verkürzung der Dienstzeit auf neun Monate ist die Zahl der Zivildiener im Vorjahr wieder merklich gestiegen: 11.327 Jugendliche haben sich angemeldet - ein Plus von fast zehn Prozent. Trotzdem warnen Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund (ASBÖ) gegenüber der APA vor einem Zivildiener-Mangel. Grund: Durch die um drei Monate gekürzte Dienstzeit bräuchten die Rettungs-Organisationen nun eigentlich um 40 Prozent mehr "Zivis".
Schuld ist laut Werner Kerschbaum vom Roten Kreuz die unverändert lange Ausbildungsdauer für Rettungssanitäter von zweieinhalb Monaten. "Zehn Prozent sind noch keine Trendwende", sagt der Rot-Kreuz-Vize-Generalsekretär. Kerschbaum verweist darauf, dass seine Organisation im Vorjahr nur 3.590 von 4.100 beantragten Zivildienern bekommen habe. Schwierigkeiten gibt es seinen Angaben zufolge in der Steiermark, in Oberösterreich, in Kärnten und in Salzburg-Stadt. Weitere Probleme erwartet er, wenn ab 2011 geburtenschwächere Jahrgänge nachrücken.
"Mangelnde Planungssicherheit"
Die Landesorganisationen in der Steiermark und in Oberösterreich sind bereits mit der Landesregierung in Kontakt getreten. "Sie wollen zusätzliche hauptamtliche Mitarbeiter einstellen", sagt Kerschbaum. Andernfalls drohe ein "abgespecktes Leistungsspektrum". Und das würde bedeuten, "dass bei Krankentransporten sehr lange Wartezeiten auftreten würden und die Gefahr besteht, dass beim Rettungsdienst längere Fristen entstehen". Auch ASBÖ-Bundessekretär Reinhard Hundsmüller kritisiert die "mangelnde Planungssicherheit" und sieht nun die Politik gefordert.
Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner berichtet ebenfalls von Schwierigkeiten in einzelnen Regionen. Er fordert Maßnahmen zur Attraktivierung des Zivildienstes. Kerschbaum schlägt dafür eine Werbekampagne vor. Außerdem will er eine Anhebung der Kostenpauschale von monatlich 580 Euro pro Zivildiener, die die Trägerorganisationen vom Staat bekommen. Vor einer weiteren Verkürzung der Dienstzeit warnt der Salzburger Rot-Kreuz-Chef Gerhard Huber. Salzburg war im Vorjahr das einzige Bundesland mit einem Minus bei den Zivildiensterklärungen. Sollte die Dienstzeit nun noch einmal verkürzt werden, dann "muss das gesamte System überdacht werden", warnt Huber.
Platter plant keine weitere Verkürzung
Dazu wird es voraussichtlich nicht kommen. "Es ist keine Verkürzung angedacht und geplant", betonte Innenminister Günther Platter auf Anfrage der APA. "Der Zivildienst ist eine grundlegende Stütze des Sozialwesens in Österreich. Eine weitere Kürzung wäre für die Trägerorganisationen nicht zu verkraften."
Auf Kosten des Bundesheeres ist der Anstieg bei den Zivildienern übrigens offenbar nicht gegangen. Im Büro von Verteidigungsminister Norbert Darabos hieß es dazu, die Anmeldungen zum Wehrdienst seien nach einem geburtenschwachen Jahrgang 2005 im Vorjahr wieder auf 30.909 gestiegen und würden damit im Durchschnitt der letzten Jahre liegen. (apa/red)
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