Dienstag, 6. Februar 2007

"Bis zur letzten Patronenkugel": Ex-Polizei-General Horngacher versandte seltsame SMS

  • Nächtliche SMS an Polizeispitzen sorgt für Aufregung
  • Präsident Stiedl erteilte Suspendiertem Hausverbot

Aufregung bei der Polizei wegen einer SMS des suspendierten Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher: Mitten in der Nacht hat dieser in der Kurzmitteilung wissen lassen, dass die Anschuldigungen gegen ihn haltlos seien und dass er "bis zur letzten Patronenkugel" um seine Rehabilitation kämpfen werde. Das haben einige Ex-Kollegen in den falschen Hals bekommen und sich bedroht gefühlt, sagte der SMS-Empfänger, der Wiener Polizeipräsident Peter Stiedl, im APA-Gespräch.

Er bestätigte damit einen Bericht in der Gratiszeitung "Heute". Horngacher hat nämlich nun in seinem Fall Akteneinsicht bekommen. Als er die Unterlagen durchstudiert hatte, habe er am Freitag um 2.16 Uhr dem Polizeipräsidenten auf sein Diensthandy die SMS geschrieben: "Lieber Peter, ich habe bis jetzt meinen Akt gelesen. Die Anschuldigungen gegen mich sind haltlos. Für meine Rehabilitation werde ich bis zur letzten Patronenkugel kämpfen", sagte Stiedl sinngemäß. Der Suspendierte habe gemeint, dass er alle rechtlichen Mitteln ausschöpfen werde, so der Polizeipräsident.

Stiedl habe am darauf folgenden Tag einem Kollegen von der SMS erzählt und beide waren der Meinung, dass sie sich auf Grund dieser Mitteilung auf eine längere arbeitsrechtliche Auseinandersetzung einstellen müssen. "Ein Kollege, der gerade in der Nähe stand, hat das in den falschen Hals bekommen", erzählte Stiedl. Einige Polizeibeamte haben das durchaus als Drohung empfunden.

Daraufhin habe Stiedl eine Besprechung einberufen. Dabei habe er den Beamten klar gemacht, dass Horngacher die Redewendung "bis zur letzten Patronenkugel" seit 15 Jahren so verwendet, wenn er etwas durchsetzen wolle.

Dennoch holte Stiedl Horngacher zu einem Gespräch zu sich und erteilte ihm Hausverbot. Dieser reagierte befremdet, als er hörte, dass einige Kollegen auf seine SMS so reagiert haben. "Ich habe ihm gesagt, er soll nicht mehr reinkommen", erklärte Stiedl. Aber Horngacher sagte auch von sich aus, dass er gar keinen Wert darauf legt, die Wiener Polizei zu besuchen, außer man brauche ihn dienstlich, sagte der Polizeipräsident. "Es ist meine Aufgabe den Ruf der Bundespolizeidirektion Wien zu wahren."

Anwalt: "Harmloses Gespräch verdreht"
Der wegen des Verdachts der verbotenen Geschenkannahme suspendierte Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher werde "öffentlich diskreditiert", kritisierte sein Anwalt Richard Soyer. Mit der SMS und dem Gespräch mit Polizeipräsident Peter Stiedl habe sein Mandant lediglich zum Ausdruck gebracht, dass er um seine Rechte nachhaltig kämpfe, erklärte Soyer im APA-Gespräch. Das harmlose Gespräch sei völlig verdreht worden.

Es habe sich um ein unbedenkliches Gespräch gehandelt. "Unter völliger Verdrehung des Inhaltes ist eine wilde Geschichte gezimmert worden", sagte Soyer. "Ein so ein harmloses Gespräch so zu verdrehen, zeigt einmal mehr, dass es dort (in der Polizei, Anm.) Leute gibt, die meinem Mandanten mit allen Mitteln zu schaden versuchen."

Auf die Frage, ob es bald eine Entscheidung zur Anklage Horngachers wegen Amtsmissbrauchs und Geschenkannahme durch Beamte geben wird, meinte Soyer: "Das dauert noch."

(APA/red)

6.2.2007 11:44