Schwere Geschütze gegen Baumeister: Richard Lugner aus Kirche ausgeschlossen!
- Wegen Abtreibungen in seinem Shopping Center
- "Es reicht!": Lugner klagt Salzburgs Weihbischof Laun
PLUS ABSTIMMUNG: Handelt die Kirche hier richtig?

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun fährt mit schwersten theologischen Geschützen gegen Einkaufszentrums-Chef Richard Lugner auf. Weil im neuen sexualmedizinischen Zentrum der Lugner City Abtreibungen angeboten würden, habe sich Lugner selbst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und sei damit "exkommuniziert", so Laun gegenüber dem katholischen Online-Magazin "Kath.net".
Laun beruft sich auf Paragraph 1041, 4 des Kirchenrechts: "Da Lugner durch die Zulassung von Abtreibungen in seinem Einkaufszentrum an der Abtreibung 'mitwirkt', ist er von der Bestimmung betroffen und ist exkommuniziert", so der Weihbischof.
Laun erklärte, dass sich ein Katholik, der Abtreibungen in irgendeiner Form unterstütze, selbst aus der Kirche ausschließe. Dies betreffe jeden, der "vorsätzlich einen Menschen getötet oder eine vollendete Abtreibung vorgenommen hat, sowie alle, die positiv daran mitgewirkt haben", zitierte er aus dem Kirchenrecht.
Lugner hatte gegenüber der APA betont, Katholik zu sein. Er habe vier Kinder gezeugt und keines davon abgetrieben. Gleichzeitig wies er auf die Rechtslage in Österreich hin und warb um Verständnis für die Betroffenen: "Diese Frauen sind ja auch Menschen, nicht nur die Kinder."
Stein des Anstoßes ist eine neue sexualmedizinische Einrichtung im Ärztezentrum der Lugner-City in Wien, in der auch Schwangerschaftsabbrüche angeboten werden. Die Eröffnung rief katholische Abtreibungsgegner auf den Plan. "Abtreibungen im Einkaufszentrum" seien nicht hinnehmbar, meinten diese in einer Kundgebung. Gegendemonstranten sahen das anders: "Hätte Maria abgetrieben, wär' uns das erspart geblieben", so deren höhnischer Slogan.
Lugner: "Die Kirche hat auch Hexen verbrannt"
Lugner reagierte auf die entsprechende Behauptung des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun mit scharfer Kritik. "Die Kirche hat auch Hexen verbrannt", ärgerte sich der - vielleicht bald ehemalige - Katholik.
Lugner betonte, mit der Klinik in seiner City "nichts zu tun zu haben". Er selbst bzw. seine Lebensgefährtinnen haben auch niemals derartige Dienste in Anspruch nehmen müssen. "Alle Kinder, die ich in die Welt gesetzt habe, leben noch", betonte Lugner. Seine Treue zur Kirche ist trotz des schweren theologischen Geschützes ungebrochen: "Ich bin Katholik!"
Kirchenrechtler widerspricht Weihbischof Laun
Der renommierte Wiener Kirchenrechtler Bruno Primetshofer hat die Aussage von Weihbischof Andreas Laun zur angeblichen Exkommunikation von Baumeister Richard Lugner entschieden zurückgewiesen. "Das trifft nicht zu", stellte er gegenüber der APA klar.
Die Exkommunikation betreffe lediglich denjenigen, der aktiv eine Abtreibung vorgenommen habe und die Frau, welche diese vornehmen lasse. "Der Lugner ist in keinem Fall betroffen davon", so Primetshofer. Der Katechismus, auf den sich Laun schließlich berufen hatte, sei "irrelevant", da er kein Gesetzbuch darstelle.
Lugner klagt jetzt Laun!
Lugner wird Weihbischof Laun vor die weltliche Gerichtsbarkeit zitieren. Nachdem der Erzbischof in einer Aussendung behauptet hat, dass sich der Baumeister wegen des sexualmedizinischen Zentrums in der Lugner-City quasi selbst exkommuniziert hätte, hat der Society-Löwe seinen Anwalt Georg Zanger damit beauftragt, eine Klage gegen Laun einzubringen. "Es reicht!", sagte Lugner gegenüber der APA.
Lugner betonte, dass er nicht einmal der juristische Hausherr der Lugner-City ist und demnach gar nicht verantwortlich gemacht werden könnte. Er würde lediglich im Namen einer Stiftung, der die Lugner City gehört, Mitverträge aushandeln. "Persönlich bin ich gar nix", echauffierte sich der Baumeister. Zudem würde selbst das Kirchenrecht nur für Ärzte, so genannte Engelmacherinnen und Männer, die ihre Ehefrauen zum Schwangerschaftsabbruch drängen, die Exkommunikation vorsehen.
Lugner bekräftigte, dass in dem Zentrum nur innerhalb der in Österreich gesetzlich geltenden Frist Abtreibungen durchgeführt werden und sich die Einrichtung daher klar an die juristischen Bestimmungen halten würde. Würde er auf Grund der Abtreibungsklinik exkommuniziert werden, so argumentierte Lugner, müssten auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) mit dem Kirchenbann belegt werden, da sowohl in Krankenanstalten des Landes als auch des Bundes Abtreibungen durchgeführt werden.
Er selbst sei bekennender Katholik und seine Tochter würde auch eine katholische Privatschule besuchen. "Es kann ja nicht sein, dass sie sich jetzt schief von der Direktorin anschauen lassen muss, weil man ihren Vater exkommuniziert hat", sagte Lugner. Der Bischof solle mit seinen Aussagen "vorsichtiger sein". "Die Kirche soll sich überhaupt lieber darüber Gedanken machen, dass sie unschuldige Frauen verbrannt hat", meinte Lugner.
Laun-Aussage für Schönborn-Sprecher "kontraproduktiv"
Der Pressesprecher von Kardinal Christoph Schönborn, Erich Leitenberger, kritisiert die jüngsten Aussagen des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun in der Abtreibungsfrage als "kontraproduktiv". Ohne Laun namentlich zu nennen warnt er davor, das Engagement gegen die Abtreibung "der Lächerlichkeit preiszugeben". "Akademische Diskussionen über Exkommunikation helfen sicher nicht, einem einzigen Kind das Leben zu retten", so Leitenberger in einer Aussendung.
Laun hatte zuvor im katholischen Online-Dienst "Kath.net" verkündet, dass sich Richard Lugner selbst "exkommuniziert" habe. Leitenberger kritisiert nun diese "von einer Linzer Internet-Plattform ausgelöste Abtreibungsdiskussion". "Jeder, dem das Lebensrecht der Ungeborenen am Herzen liegt, sollte sich hüten, durch solche Diskussionen das Engagement ungezählter 'Freunde des Lebens' der Lächerlichkeit preiszugeben", warnt der Schönborn-Sprecher.
Für die Erzdiözese Wien gehe es seit Jahrzehnten darum, das "Recht auf Leben" vom ersten Augenblick der menschlichen Existenz an zu verteidigen, betont Leitenberger. Daher trete die Kirche öffentlich für das "Lebensrecht der ungeborenen Kinder" ein und nehme sich der "Frauen in Notsituationen" an - etwa mit dem 1973 gegründeten "Diözesanfonds für Schwangere in Not".
(APA/red)

