Freitag, 2. Februar 2007

Personalrochade bei ÖBB: Aufsichtsrats- Präsident Reithofer zieht sich im Mai zurück

  • Nachfolger steht laut Minister Faymann noch nicht fest
  • Porr-Generaldirektor Pöchhacker gilt als Favorit

Die ÖBB bekommen einen neuen Präsidenten. ÖBB-Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer wird, wie bereits seit mehreren Wochen erwartet, bei der nächsten Hauptversammlung sein Amt zur Verfügung stellen, erklärte er nach einer eineinhalbstündigen Unterredung mit Verkehrsminister Werner Faymann (S). Sein Nachfolger steht laut einer Sprecherin Faymanns noch nicht fest.

Gehandelt wird der jahrzehntelange Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker, der laut Medienberichten dafür seine Funktion bei der Porr vorzeitig zurückgelegen könnte. Aus dessen Umfeld war dies zuletzt allerdings nicht bestätigt worden.

Die Hauptversammlung der ÖBB-Holding werde Mitte bis Ende Mai stattfinden, erklärte die Sprecherin Faymanns auf APA-Anfrage. Der genaue Termin wird aber erst fixiert.

Schon seit dem Regierungswechsel im Jänner galt eine Ablöse Reithofers bei den ÖBB für so gut wie fix. Reithofer versicherte aber in Interviews mit dem "Ö1 Journal um Fünf" und der "Presse", dass sein Rücktritt mit dem Regierungswechsel nichts zu tun habe. Mit Verkehrsminister Werner Fayman (SPÖ) gebe es fast überall Konsens, sei es über die weiteren Reformschritte bei den ÖBB, sei es über seinen Nachfolger im Aufsichtsrat.

Er überlege bereits seit einem dreiviertel Jahr die Funktion zurückzulegen, doch dann sei der Wahlkampf dazwischen gekommen. Die ÖBB-Reform sei zum damaligen Zeitpunkt auf Schiene gewesen. Er habe seine Aufgabe damit als erfüllt erachtet, so Reithofer. Für einen sofortigen Rücktritt sah er jedoch keinen Grund. "Die ÖBB haben sich besser entwickelt als ihr Ruf glauben macht. Dass ich noch ein paar Monate bleibe, ist der vernünftigere Weg", betonte er in der "Presse".

Auch den politischen Einfluss bei den ÖBB, denn Reithofer in der Vergangenheit oft lautstark kritisiert hatte, bezeichnete er als "nicht so problematisch". Viel problematischer sei "die Tatsache, dass die Bundesbahnen im Blickpunkt des öffentlichen Interesses stehen". "Da werden immer wieder unternehmensinterne Entscheidungen von Oppositionspolitikern in den Medien diskutiert. Ich kann so nicht arbeiten", beklagte er im Zeitungsinterview.

Reithofer, der wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt, war im März 2004 vom damaligen Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) zum obersten Bahn-Kontrollor berufen worden. Der heute 58-jährige Generaldirektor des internationalen Ziegelkonzerns Wienerberger folgte damals auf Drängen der ÖVP dem von Gorbachs Vorgänger Monika Forstinger entsandten Generaldirektor von Opel Austria, Franz Rottmeyer, nach. Unter Reithofers Aufsichtsratsvorsitz waren die ÖBB unter dem Dach einer Holding in vier operative Aktiengesellschaften für Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur Bau und Infrastruktur Betrieb geteilt worden. Sein derzeitiger Vertrag als Wienerberger-Generaldirektor läuft noch bis 2011.

(apa/red)

2.2.2007 18:33