Montag, 29. Jänner 2007

Aufwind für die Alitalia: Italien findet elf Interessenten für angeschlagene Fluglinie

  • Auch BA-CA-Mutter Unicredit gehört zu den Bietern
  • Air France KLM winkt ab: Bedingungen stimmen nicht

Italien hat einen Interessentenkreis für die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia gefunden. Insgesamt hätten elf mögliche Bieter ihr Interesse bekundet, teilte das italienische Finanzministerium mit. Darunter seien die US-Finanzinvestoren Texas Pacific und die Investmentabteilung der BA-CA-Mutter Unicredit. Die als potenzieller Bieter gehandelte Fluglinie Air France KLM hat jedoch abgewunken. Für eine Interessenbekundung hätten die Bedingungen nicht gestimmt, hieß es.

Wenige Stunden vor Ablauf der Bieterfrist hatte Alitalia noch eine weitere Hiobsbotschaft für Investoren parat: Für das abgelaufene Jahr schätzt der italienische Konzern den Verlust nun auf etwa 380 Millionen Euro und damit deutlich höher als die zuletzt erwarteten 221 Millionen Euro. Jeden Tag rutschte die Gesellschaft 2006 somit um eine weitere Million Euro in die roten Zahlen. An der Börse wurde die Nachricht indes gelassen aufgenommen: Die Aktie ging kaum verändert mit 1,09 Euro aus dem Handel. Vom nachbörslichen Handel wurden die Titel wegen der Mitteilung des Finanzministeriums über die Zahl der Interessenten ausgesetzt.

Dem Ministerium in Rom zufolge hat auch die Finanzinvestorengruppe Management & Capitali des Großindustriellen Carlo De Benedetti sowie die AP-Holding von Carlo Toto ihr Interesse zum Ausdruck gebracht. Nach eigenem Bekunden ist auch der bisher kaum in Erscheinung getretene Investor Paolo Alazraki mit im Rennen. Er arbeitet mit 16 weiteren Investoren an einem Übernahmeangebot und will Garantien über 100 Millionen Euro von einem US-Fonds sicher haben.

Der italienische Staat will angesichts der anhaltenden Verluste einen Großteil seines Anteils an der nationalen Gesellschaft verkaufen. Derzeit hält Italien noch 49,9 Prozent, mindestens 30,1 Prozent an Alitalia sollen nun abgegeben werden. Ein Käufer für diesen Anteil müsste auch ein Gebot für den Gesamtkonzern vorlegen. Ministerpräsident Romano Prodi sagte bei einem Besuch im äthiopischen Addis Abeba, er hoffe, dass sich aus den Interessenbekundungen auch konkrete Angebote ergäben.

Die Regierung Prodi will bei den Angeboten Gruppen bevorzugen, die die Arbeitsplätze bei der Fluggesellschaft sichern, das Logo der Gesellschaft weiterführen, den Inlands-Flugplan unverändert lassen und bestimmte Dienstleistungen bieten können. Als Verkaufserlös werden 1,5 bis 2 Mrd. Euro erwartet.

Italienische Zeitungen berichteten, die kleinere italienische Fluggesellschaft Air One könnte ebenfalls ein Gebot abgeben und dabei von der Bank Intesa Sanpaolo unterstützt werden. Branchenexperten haben indes erklärt, wegen der veralteten Flotte der Alitalia, der immensen Kosten und arbeitsrechtlicher Streitigkeiten könnten Interessenten vor einem konkreten Angebot auf einen Zusammenbruch des Staatsunternehmens warten.

Die Fluggesellschaft hatte zuletzt 2002 einen Gewinn erwirtschaftet. Für den jüngsten Verlust macht Alitalia entgangene Erlöse in Folge von Streiks und die scharfe Konkurrenz von Billig-Fliegern verantwortlich. Zudem verwies das Unternehmen auf gestiegene Treibstoffkosten. Auch sei es nicht gelungen, die Arbeitskosten zu reduzieren. Gewerkschaftschef Raffaele Bonanni wies gegenüber der Zeitung "La Repubblica" die Vorwürfe gegen die Arbeitnehmer zurück. Die Verantwortung für den Verlust liege allein beim Management und der Regierung, sagte er. "Die Arbeiter werden nicht für die Fehler der vergangenen Jahre bezahlen."

Angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten muss Alitalia seine Geschäftszahlen monatlich der Börsenaufsicht Consob vorlegen - allerdings kommt das Unternehmen dieser Pflicht nicht immer nach. Consob hatte daher jüngst bis Sonntag die Bekanntgabe der aktuellen Prognose gefordert. Alitalia erklärte dabei, über genügend Bargeld zu verfügen, um die Geschäfte noch deutlich länger als zwölf Monate fortzuführen. Per Ende 2006 lag die Netto-Verschuldung demnach bei 1,026 Milliarden Euro.

(apa/red)

29.1.2007 22:00