Montag, 29. Jänner 2007

Aufregung am heimischen Getränkemarkt: Fliegt Red Bull auf Bierbrauer Ottakringer?

  • Ottakringer-Sprecher dementiert sämtliche Gerüchte
  • "Nichts dran": Auch Red Bull streitet Interesse ab

Um die börsenotierte Ottakringer-Braugruppe ranken sich seit kurzem erneut Verkaufsgerüchte, die bis jetzt aber ebenso vehement wie in den Vorjahren dementiert werden. An der Wiener Börse hat die neueste - ebenfalls von beiden Seiten zurückgewiesene - Spekulation über bevorstehende Änderungen im Aktionärskreis und über eine sich anbahnende "Red-Bull-Connection" jedenfalls noch kaum Wirkung gezeigt.

Seit 1998 ist an Ottakringer auch der große Konkurrent Brau Union beteiligt, der heute dem niederländischen Bierriesen Heineken gehört. Dieser Einstieg war 1998 von den jetzigen Ottakringer-Eigentümerfamilien als "unfreundlich" bewertet worden. Für Brau Union-Österreich-Chef Markus Liebl ist der Ottakringer-Anteil der Brau Union AG (nach neuesten offiziellen Firmenbuchdaten 15,8 Prozent, bisher immer knapp 19 Prozent) eine "interessante, strategisch richtige Finanzbeteiligung". An der halte man fest. Vor eineinhalb Jahren hatte es der von Heineken nach Österreich entsandte Chef der Brau Union AG, Nico Nusmeier, nicht ausgeschlossen, Ottakringer irgendwann gänzlich zu übernehmen. "Ottakringer interessiert uns", hatte er im Herbst 2005 erklärt. "Wir sind unverkäuflich", polterte damals Ottakringer-Chef Sigi Menz.

Dieses Wochenende wurde Nusmeier in Kitzbühel im Gespräch mit Journalisten abermals gefragt, wie es mit einem Übernahmeinteresse steht. Diesmal formulierte er diplomatisch: Hundert Prozent an Ottakringer "wären nicht schlecht, würden aber ein Wettbewerbsproblem ergeben". "Absolut unrealistisch" ist eine Ottakringer-Übernahme auch für Brau Union-Österreich-Chef Liebl. "Daher derzeit überhaupt kein Thema". Auf Nachfragen, wie weit "derzeit" zu fassen wäre, präzisierte Liebl: "Gar kein Thema".

Ein eindeutiges Dementi kam auch von Red Bull. An den Spekulationen sei "überhaupt nichts dran", verlautete von Seiten des Unternehmens zur APA.

"Weder das im 'Kurier' kolportierte Gerücht über eine angebliche Beteiligung an Ottakringer noch jenes über irgendeinen Pepsi-Deal enthält auch nur einen Funken Wahrheit", heißt es auch in einer schriftlichen Mitteilung der Red Bull GmbH. "Mit beiden Unternehmen gab es niemals irgendwelche mündlichen oder schriftlichen Kontakte."

Laut "Kurier"-Informationen vom Wochenende soll Red Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz Gespräche mit der Familie Wenckheim wegen eines Einstieges bei der Ottakringer-Holding führen, zu der neben dem "Ottakringer"-Bier auch die Mineralwasserfirma Vöslauer gehört. Bei Ottakringer hat Sprecher Thomas Sautner namens der Eigner gegenüber der APA dementiert, dass es solche Verkaufsgespräche gibt oder gab. "Da ist nichts dran". Man wisse nicht, woher dieser "Unsinn" stamme. Die Eigentümer, die Familie Wenckheim und die Familie Menz, seien selber sehr überrascht gewesen über dieses Gerücht.

Engelbert Wenckheim ist den Spekulationen zufolge offenbar prinzipiell bereit, sich aus persönlichen Gründen von Anteilen an seiner Firma zu trennen.

Die Muttergesellschaft der börsenotierten Ottakringer Brauerei AG ist zu 57 Prozent die Getränkeindustrie Holding AG (GIH). Diese GIH steht vorwiegend im Besitz der Familien Wenckheim über die "Wenckheim Holding" (rund 59 Prozent) und Menz (rund 16 Prozent). Der Rest der GIH befindet sich im Besitz der Familien Pfusterschmid und Trauttenberg. An der Ottakringer Brauerei AG hat noch die Wenckheim Privatstiftung direkt knapp 5 Prozent. Mehr als 20 Prozent sind nach letzten offiziellen Firmenbuchangaben Streubesitz.

(apa/red)

29.1.2007 16:07