Freitag, 2. Februar 2007

Erst Sport, dann Feiern: US-Ski-Rebell
Bode Miller lebt, als ob es kein Morgen gäbe

  • "Ich feiere immer, das ist wichtig zum Regenerieren"
  • PLUS: Amerikaner träumt vom Slalom-Gold in Aare

Bode Miller ist für alles gut. Für eindrucksvolle sportliche Leistungen, spektakuläre Ausrutscher auf der Piste und auf Partys gleichermaßen und natürlich auch für große Sprüche. "Sicher werde ich auch hier feiern gehen", sagte der US-Skistar. "Ich feiere immer, das ist wichtig zum Regenerieren, man muss die Emotionen, das Glück nach Erfolgen ausleben. Die Theorie mit dem Feiern am Saisonende macht für mich keinen Sinn. Denn was ist, wenn du stirbst?"

Leben als ob es kein Morgen gäbe. Bode Miller fährt gelegentlich aber auch Ski, als wenn kein nächstes Rennen anstünde. Der "geplante" Ziel-Sturz in der Wengen-Abfahrt brachte ihm den Sieg. Er hat die Angst schon so oft überlistet: "Manchmal, wie in Wengen, da weiß man, wenn man einen Fehler macht, das kann deine Karriere beenden." Trotz Selbstvertrauen und Routine hat Miller erst kurzfristig entschieden, bei der WM auch die Abfahrt zu bestreiten. "Die Sprünge sind kleiner und der Schnee ist weicher", begründete der 29-Jährige, der sich im März 2006 in der Aare-Abfahrt in Rahmen des Weltcupfinales bei einem Sprung am Knie verletzt hatte, seine Entscheidung.

Millers Hauptaugenmerk in Schweden gilt aber ohnehin nicht der Abfahrt, in der er wie im Super G Titelverteidiger ist, sondern dem Slalom, für den er sich erst beim Nachtevent in Schladming ins US-Team gewurschtelt hatte. Als 25. und Letzter hatte er nach katastrophalen Fehlern 9,60 Sekunden Rückstand, aber immerhin war er erstmals seit 22. Jänner 2006 (18. in Kitzbühel) wieder ins Ziel gekommen. "Wenn ein Slalom nur 30 Sekunden hätte, wäre ich viel besser als alle anderen, aber dann kommen kontinuierlich die Fehler."

Traum von fünf Mal Gold
An einem WM-Verzicht, wie es im Rahmen der Kitzbühel Rennen kolportiert wurde, habe er nie gedacht. "Es wäre cool, der Erste zu sein, der Titel in allen fünf Disziplinen gewinnt. Das ist auch der Grund, warum ich die WM nicht auslasse." Miller gewann 2003 in St. Moritz den Riesentorlauf und die Kombination, 2005 in Bormio kamen Erfolge in Abfahrt und Super G dazu. Noch kein Athlet hat die WM-"Golden-Five" zu Hause. Das Unternehmen ist nicht gänzlich aussichtslos, immerhin hat er in seiner Karriere 5 der 25 Weltcup-Siege im Torlauf gefeiert, aber für Miller in seiner derzeitigen Slalom-Form kaum machbar. "Mit Startnummer 31 ist es schon sehr schwierig", meinte er zur Ausgangsposition.

Bei der WM erhofft sich der Gesamtweltcupsieger von 2005 bessere Ergebnisse als beim letzten Großereignis. Von den Olympischen Spielen in Turin reiste er ohne Medaille wieder ab und bekam es von den Medien dick ab. "90 Prozent (von den Geschichten/Anm.) waren Gerüchte", sagt er auch heute noch. Druck lässt er sich auch dieses Mal nicht auferlegen. "Ich weiß, dass die Abstimmung, Schuhe und Ski, passt. So gut war es noch nie. Aber um eine Medaille zu gewinnen, da müssen auch Faktoren stimmen, die man nicht kontrollieren kann." Und das sei in diesem Winter bei den schwierigen Schneeverhältnissen oft einfach nicht der Fall gewesen.

(apa/red)

2.2.2007 11:57