Dienstag, 6. Februar 2007

SILBER FÜR ÖSTERREICH!!! Fritz Strobl holt
im Super G erste WM-Medaille für Österreich

  • Sensationssieg durch Südtiroler "Nobody" Staudacher
  • Gruber und Maier knapp an Medaillenrängen vorbei
    Bronze an Kernen - Favorit Miller weit abgeschlagen

Besser kann man eine WM-Nominierung in letzter Sekunde nicht rechtfertigen. Der 34-jährige Kärntner Fritz Strobl hat im WM-Auftaktbewerb in Aare Super-G-Silber gewonnen und damit nach Olympia-Gold 2002 in Salt Lake City in der Abfahrt seine zweite Medaille bei einem Großereignis geholt. Gold ging überraschend an den 26-jährigen Südtiroler Patrick Staudacher, der noch nie ein Weltcuprennen gewonnen hat, Bronze an den so wie Strobl 34-jährigen Schweizer "Oldboy" Bruno Kernen.

Christoph Gruber verpasste als Vierter Bronze um nur 0,01 Sekunden. Hermann Maier landete auf Rang sieben, dem "Mr. Super G" fehlten im Hundertstel-Krimi um Bronze lediglich 0,04 Sekunden aufs Stockerl. WM-Debütant Mario Scheiber vergab mit einem Schnitzer im unteren Teil eine Medaille und wurde Elfter.

Das Warten in Aare hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn nach Tagen voller Absagen, Wind und Schnee gab es blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Und ein größtenteils faires Rennen, das nicht vom Wind verblasen wurde. Es siegte dabei die Startnummer 12 vor den Nummern 17 und 20. Trotz deutlicher Minusgrade war die Piste nach den Schneefällen der vergangenen Tage, die eine Verschiebung des Rennens von Samstag auf schließlich Dienstag bedingten, nämlich möglicherweise doch nicht für alle Läufer optimal.

"Zähe Fahrt" reicht locker für Silber
"Wir haben schon vorher darüber geredet, dass es eine Überraschung geben wird. Wenn wir eine Medaille gewinnen, sind wir immer zufrieden. Die Piste war gut, aber hintennach war es doch schwieriger, da merkt man die Dreißigerregel", sagte ÖSV-Alpindirektor Hans Pum.

Gerührt im Zielraum stand Fritz Strobl, der nach den ÖSV-internen Zeitläufen in Aare den Vorzug gegenüber Michael Walchhofer bekommen hatte: "Ich hätte nicht gedacht, dass diese zähe Fahrt fürs Podium reicht. Ich hatte zwar ein fehlerfreies Rennen, aber auch das Gefühl, dass ich noch überall kleine Reserven hatte. Die Erleichterung ist jetzt groß, denn es hat ja viel Überzeugungsarbeit gebraucht, dass ich hier zu Recht fahren durfte. Die Nummernregel war heute sicher ein Nachteil für die Spitzenfahrer, das ist nicht ganz fair", meinte der zweifache Familienvater.

Gruber und Maier schrammen an Medaillen vorbei
Unter der endlich erblickten schwedischen Sonne verpasste Christoph Gruber - nach Knieblessur wieder voll fit - nur um eine Hundertstel die erste Medaille seiner Karriere. "Da kann man nix machen, das Leben geht weiter. Das Hundertstelglück war leider nicht auf meiner Seite. Die Fahrt war zu 99 Prozent sehr gut, es war eben extrem knapp. Wichtig war, dass ich gesehen habe, dass die Form passt und das Knie hält."

Hermann Maier landete auf dem siebenten Platz, wollte sich nicht auf die Piste ausreden und zeigte sich als fairer Verlierer: "Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, ich habe annähernd mein Bestes gegeben. Platz eins wäre mit meiner Nummer nur mit einer Ausnahmefahrt möglich gewesen. Es war nicht ganz gut, aber auch nicht ganz schlecht."

Der elftplatzierte Mario Scheiber war lange Zeit auf Kurs, doch im unteren Teil schnitzte der WM-Debütant dann. "Da habe ich die entscheidenden Hundertstel verloren, sonst hätte ich wahrscheinlich die Medaille geholt. Die Leistung war aber gut. Es ist meine erste WM, da kann ich nicht gleich alles zerreißen. Ich habe mich nie als Geheimfavorit gesehen. Jetzt heißt es in der Abfahrt voll angasen."

Staudacher: "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen"
Goldmedaillengewinner Staudacher wusste immer, dass er "ganz vorne landen kann, wenn ich meine Leistung bringe". "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Die Startnummer war sicher ein Vorteil für mich. Ich wäre schon mit einem Platz unter den Top sechs zufrieden gewesen. Dass ich jetzt ganz vorne stehe, das ist unglaublich."

Nicht wirklich rechnen durfte man auch mit der Bronzemedaille für Kernen: "Ich freue mich natürlich riesig. Im Ziel habe ich mir gedacht, dass es nicht reichen wird. Jetzt habe ich eine Medaille, das ist unglaublich. Im oberen und unteren Drittel war es sehr griffig, da hat man viel Gefühl gebraucht. Im eisigen Mittelteil musste man gnadenlos fahren." Vor ein paar Wochen habe er noch mit dem Fritz Strobl sinniert, ob sie überhaupt bei der WM in Aare dabei sein würden. "Und jetzt sind wir beide auf dem Podium."

Endstand des WM-Super-G der Herren:
1.Patrick StaudacherITA1:14,30 Minuten
2.Fritz StroblAUT1:14,62+0,32+7,81 m
3.Bruno KernenSUI1:14,92+0,62+15,06 m
4.Christoph GruberAUT1:14,93+0,63+15,30 m
.Didier CucheSUI1:14,93+0,63+15,30 m
6.Erik GuayCAN1:14,95+0,65+15,78 m
7.Hermann MaierAUT1:14,96+0,66+16,03 m
.Jan HudecCAN1:14,96+0,66+16,03 m
9.Francois BourqueCAN1:14,97+0,67+16,27 m
10.Marco BüchelLIE1:14,99+0,69+16,75 m
11.Mario ScheiberAUT1:15,09+0,79+19,15 m
12.Steven NymanUSA1:15,20+0,90+21,78 m
13.Aksel Lund SvindalNOR1:15,24+0,94+22,74 m
14.Peter FillITA1:15,31+1,01+24,41 m
.Silvan ZurbriggenSUI1:15,31+1,01+24,41 m
16.Massimiliano Blardone ITA1:15,38+1,08+26,08 m
17.Didier DefagoSUI1:15,45+1,15+27,74 m
.Patrik JärbynSWE1:15,45+1,15+27,74 m
19.Ales GorzaSLO1:15,46+1,16+27,98 m
.Bjarne SolbakkenNOR1:15,46+1,16+27,98 m
21.Hans OlssonSWE1:15,52+1,22+29,40 m
22.Gauthier de Tessieres FRA1:15,60+1,30+31,30 m
23.Andrej JermanSLO1:15,63+1,33+32,01 m
24.Bode MillerUSA1:15,64+1,34+32,24 m
25.Niklas RainerSWE1:15,65+1,35+32,48 m
26.Adrien TheauxFRA1:15,71+1,41+33,90 m
27.Werner HeelITA1:15,74+1,44+34,60 m
28.Matts OlssonSWE1:15,81+1,51+36,25 m
29.Antoine DeneriazFRA1:15,84+1,54+36,96 m
30.John KuceraCAN1:15,91+1,61+38,60 m


Ausgeschieden: Pierre-Emmanuel Dalcin (FRA), Finlay Mickel (GBR), Rok Perko (SLO), Petr Zahrobsky (CZE), Johnny Albertsen (DAN)

Insgesamt 69 Teilnehmer am Start, 64 in der Wertung.

(apa/red)

6.2.2007 17:55