Freitag, 2. Februar 2007

Aufbau von 3000 Zentrifugen in iranischer Atomanlage: Besuch von IAEO-Inspektoren

  • Noch keine komplette Produktionslinie fertiggestellt
  • US-Regierung reagierte verhalten auf Informationen

Der Iran hat nach Angaben von Diplomaten mit dem Aufbau von 3000 neuen Zentrifugen in der Atomanlage Natans begonnen. Vorerst sei aber noch keine komplette Produktionslinie fertiggestellt, sagten die Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO/IAEA) in Wien. Ferner seien die IAEO-Inspektoren daran gehindert worden, Überwachungskameras im unterirdischen Teil der Anlage in Natans zu installieren. Ein Vertreter der iranischen Regierung dementierte beide Teile des Berichts. Weder sei mit dem Aufbau begonnen worden, noch behindere Teheran die Arbeit der UN-Inspektoren.

Die Informationen über den Aufbau der Zentrifugen wurden von den Diplomaten unter der Bedingung herausgegeben, dass sie nicht namentlich genannt werden. Dafür führten sie Sicherheitsgründe an. Die IAEO-Sprecherin Melissa Fleming wollte offiziell zu den jüngsten Entwicklungen nicht Stellung nehmen. Eine Gruppe von IAEO-Inspektoren war aus dem Iran abgereist. Sie hatten die Anlagen in Natans und Isfahan besucht.

Die US-Regierung reagierte zunächst verhalten auf die neuen Informationen. "Wenn es wahr ist, würde das zeigen, dass die iranische Regierung weiterhin den Willen der internationalen Gemeinschaft missachtet", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Gordon Johndroe. Die Iraner hätten bisher noch kein Uran in die unterirdische Anlage transportiert, erläuterte ein Diplomat in Wien. "Es bleibt also immer noch Zeit."

Der ranghohe iranische Beamte sagte hingegen, im Rahmen des Teheraner "Engagements gegenüber der IAEO" unterlägen die Inspektoren keinerlei Einschränkung, was ihren Zugang zu den Atomanlagen betreffe. Da der Iran den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, hat die IAEO das Recht, die unterirdischen Atomanlagen zu kontrollieren. Bereits seit längerem betreibt der Iran in Natans kleinere überirdische Anlagen, die von der IAEO kontrolliert werden. Die unterirdische Anlage ist gegen Luftangriffe geschützt.

Der Aufbau der Zentrifugen ist ein weiterer Schritt bei der Realisierung des iranischen Atomprogramms. Die Teheraner Führung unter Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte wiederholt erklärt, sie werde sich auch durch internationalen Druck nicht von der zivilen Nutzung der Atomenergie abbringen lassen. Er deutete an, der Anschluss könne in der kommenden Woche beginnen. Bis alle Zentrifugen erfolgreich laufen, könnten Experten zufolge allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Mit 3.000 Zentrifugen könnte Teheran jährlich zwei Atombomben herstellen. Insgesamt plant die Regierung 54.000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende Dezember die Resolution 1737 verabschiedet, in der dem Iran Strafmaßnahmen für den Fall angedroht werden, dass das Land atomaren Aktivitäten nachgeht, die zur Weiterverbreitung von Atomwaffen führen könnten. Teheran betont jedoch, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken wie der Stromerzeugung dienen solle. Die USA und andere westliche Länder vermuten dagegen, dass der Iran Atombomben bauen will.

(apa/red)

2.2.2007 16:26