Freitag, 2. Februar 2007

Nach blutigen Kämpfen: Hamas und Fatah vereinbaren neuerlichen Waffenstillstand

  • Jüngste Gefechte hatten 17 Menschenleben gefordert
  • Präsident Abbas fordert zu Ende der Gefechte auf

Bei den bisher schwersten Kämpfen zwischen Hamas und Fatah sind im Gazastreifen 17 Menschen ums Leben gekommen. Auch vier Kinder waren unter den Opfern. Zur Eindämmung der eskalierenden Gewalt einigten sich die palästinensischen Organisationen auf einen weiteren Waffenstillstand, nachdem der letzte nach nur zwei Tagen wieder zerbrochen war.

Die Waffenruhe sollte laut einem Telefongespräch zwischen Präsident Mahmud Abbas von der Fatah und dem in Syrien lebenden Hamas-Führer Khaled Mashaal sofort in Kraft treten, teilte Präsidentensprecher Nabil Abu Rdeneh wenig später mit. Den jüngsten Kämpfen fielen seit Donnerstag mindestens 24 Menschen zum Opfer, fast 250 wurden verletzt. Die Zahl der Toten am Freitag war die bisher höchste seit Beginn der jüngsten Gewaltwelle. Die Gesundheitsbehörden warnten, es drohe ein Mangel an Blutkonserven.

Fatah-Kämpfer stürmten am Freitag zum zweiten Mal binnen weniger Stunden die Islamische Universität von Gaza und setzten zwei Gebäude in Brand. Es kam zu einer heftigen Schießerei mit Hamas-Anhängern. Kämpfer der Hamas schworen Rache und griffen kurze Zeit später die der Fatah nahe stehende Al-Kuds-Universität an, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.

Vor dem Innenministerium in Gaza lieferten sich rund 50 Mitglieder von Abbas Präsidentengarde Schießereien mit bewaffneten Hamas-Leuten. Außerhalb von Gaza griffen Hamas-Kämpfer ein Ausbildungslager der Fatah mit Granaten an, wie Sicherheitskräfte mitteilten. Dabei wurden 30 Menschen verletzt. Eines der Geschosse traf ein Haus, zwei Kinder erlitten Verletzungen. In Jebaliya sprengten Mitglieder der radikalislamischen Organisation einen Fatah-nahen Radiosender in die Luft, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte.

Präsident Abbas forderte die rivalisierenden Parteien zu einem Ende der Gefechte auf. Sie schadeten damit nur dem palästinensischen Volk, sagte Abbas in Ramallah. Zu Gesprächen mit Hamas-Führer Mashaal über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit will Abbas am Dienstag nach Saudi-Arabien reisen. Abbas und Mashaal waren zuletzt ohne Einigung in Damaskus zusammengetroffen.

Israelische Soldaten erschossen im Westjordanland zwei bewaffnete Palästinenser. Nach palästinensischen Angaben waren die Männer Mitglieder des so genannten Präventiven Sicherheitsdienstes, der zu Fatah-Bewegung gehört. Sie seien in der Nähe von Ramallah auf Patrouille gewesen und dabei einem israelischen Konvoi begegnet. Als sie aus ihrem Jeep ausgestiegen seien, hätten die Soldaten auf sie geschossen. Die israelischen Streitkräfte erklärten dagegen, die Soldaten hätten einen bewaffneten Mann in ziviler Kleidung entdeckt und auf ihn geschossen, als er sich geweigert habe, seine Waffe niederzulegen. Anschließend seien weitere Bewaffnete auf die Soldaten zugekommen. Einer von ihnen sei ebenfalls erschossen worden.

(apa/red)

2.2.2007 20:47