Freitag, 2. Februar 2007

Traute Zweisamkeit im Häf'n: NEWS über den Streit um die Sexzellen in Gefängnissen

  • Auch größte Justizanstalt Stein plant Kuschel-Zellen
  • Forderung nach Prostituierten wurde aber abgelehnt

Streit um die Sexzellen. Nach Leoben plant nun auch Stein Kuschel-Zellen. Jedoch: Die Forderungen nach Prostituierten werden vom Ministerium abgelehnt.

Es ist die größte Justizanstalt Österreichs: Stein im niederösterreichischen Krems. In kaum einem anderen Gefängnis sitzen so viele zu lebenslangen Strafen Verurteilte ein wie in dem Haus an der Donau. Die gute Nachricht für alle Häftlinge dort: Ab Mitte Februar wird auch in Stein möglich sein, was im Mustergefängnis Leoben bereits seit längerem praktiziert wird - dann nämlich werden die Insassen ihre Frauen und Kinder in einem eigenen Appartement treffen dürfen, innerhalb der Gefängnismauern freilich, in eigens dafür adaptierten Räumen.

Der Zweck des Wohn-Services: Langzeithäftlingen soll mehr Kontakt zu Bezugspersonen, die in Freiheit sind, ermöglicht werden - so soll eine spätere Wiedereingliederung in die Gesellschaft vereinfacht werden.

Kritiker betonen, dass durch die neuen Zellen dem Freiheitsentzug der Schrecken genommen würde. Justizministerin Berger verteidigt das Konzept: "Es hat keine verharmlosende Wirkung. Weil Freiheitsentzug an sich keine harmlose Angelegenheit ist".

Kuscheln bei guter Führung
Fakt ist: Die Familienzusammenführungszellen werden in anderen Staaten bereits seit langem eingesetzt. In der Schweiz können die Insassen in eigenen "Separatzimmern" sogar mehrere Tage mit ihren Partnern verbringen. Und: Auch in Österreich wurde die gesetzliche Voraussetzung für "Kuschelzellen" bereits längst geschaffen, nämlich vor 14 Jahren schon. Allerdings sahen die Haftanstalten bis vor kurzem davon ab, solche zu installieren.

Prostituierten-Besuch verboten
Dass die Affinität der Politik zum liberalen Strafvollzug auch ihre Grenzen kennt, belegt der Fall einiger Häftlinge, die erst kürzlich forderten, ledigen Gefängnisinsassen die Besuche von Prostituierten zu gestatten. Knapper Kommentar des Ministeriums: "Bei den Langzeitbesuchen geht es um die Aufrechterhaltung familiärer Bindungen. Prostituierte gehören sicherlich nicht dazu."

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2.2.2007 17:39