Mittwoch, 24. Jänner 2007

Tokio Hotel: Ein Mädchen namens Bill

Bill Kaulitz, schriller Leadsänger der Kultband, ist allgegenwärtig: im Film, mit neuer CD & Tour. Das Phänomen.

Beatles, Stones, Madonna? Das war im Pop-Paläozoikum. Heute ist Tokio Hotel angesagt. Im Wortsinn und in Gestalt von Bill Kaulitz. Der schrille Leadsänger der Teenieband hat sich zur Berlin-Premiere des Films „Arthur und die Minimoys“ (ab 26. 1.), dessen animiertem Protagonisten er die Stimme lieh, am roten Teppich angekündigt – mit lautstarken Folgen. Die erregten Fanmassen – vornehmlich minderjährige Mädchen, bewaffnet mit Zahnspangen, Fanartikeln und selbst gebastelten Plakaten – fanden sich zu Hunderten ein, tap-fer den Ausläufern des Sturmtiefs Kyrill trotzend.

Durch den Monsun. Trotz eiskalten Winds und Regenwetters harrten Girlies seit dem frühen Morgen aus, um die besten Plätze vor den Absperrungen rund um das Sony Center zu ergattern. Gewärmt nur vom Gedanken, wenigstens einen Blick vom Objekt ihrer Begierden zu erhaschen. Es gemahnt an ein gewaltiges Naturschauspiel: Das entrückte Gekreisch aus zahllosen Mädchenkehlen, das über den Potsdamer Platz schallt, ist schon von weitem zu vernehmen, stundenlang. Und dann erscheint er, der siebzehnjährige Superstar, im Ruderleiberl, mit dem obligaten Kajal bemalt, die Haare zur Punkfrisur gestylt, als sei er einem japanischen Manga entstiegen. Eine Kunstfigur, für die der Begriff „Metrosexualität“ eigens erfunden worden zu sein scheint. Wäre er weiblich, hätte die Welt wohl längst „Magersucht!“ geschrien, so spindeldürr ist der Knabe.

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24.1.2007 18:40