Schutz-Protein p53 "vertreibt" Krebszellen:
p53-Eiweiß gilt als der "Hüter des Erbgutes"
- Protektiver Mechanismus in Zellen möglich
- Seit 15 Jahren neue Form der Therapie gesucht
Ein Schutz-Protein "vertreibt" Krebszellen. Das p53-Eiweiß, bei vielen Krebserkrankungen wird es durch Mutationen falsch oder nicht gebildet, kann bösartige Zellen in den Selbstmord oder in eine Zellalterung mit nachfolgender Beseitigung durch das Immunsystem treiben. Auch in Krebszellen sind noch Möglichkeiten vorhanden, diesen Schutzmechanismus erneut zu aktivieren, haben jetzt US-Wissenschafter in mehreren Studien festgestellt. Die Ergebnisse werden in der neuesten Ausgabe von "Nature" veröffentlicht.
p53 gilt unter den Wissenschaftern schon seit vielen Jahren als "Hüter des Erbguts". Die Aktivierung dieses Proteins führt dazu, dass Zellen mit geschädigter DNA in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben werden. Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit: Die Krebszellen beginnen entgegen ihrer sonstigen Art zu altern (Seneszenz). Das gibt dem Immunsystem des betroffenen Organismus das Signal zur Abwehr. Die Zellen werden beseitigt.
Versuche seit 15 Jahren
Seit rund 15 Jahren versuchen nun Wissenschafter, in Krebszellen die schützende Funktion von p53 auf unterschiedlichsten Wegen wiederherzustellen, um eine neue Form der Therapie für bösartige Erkrankungen zu etablieren. Gelungen ist das noch nicht. Eine Frage war bisher, ob Krebszellen überhaupt noch für solche Therapien sensitiv sind.
Vollkommenes Verschwinden der Geschwulst
Das dürfte der Fall sein. Dr. Wen Xue vom Cold Spring Harbor Laboratory (New York) und seine Co-Autoren haben in einem Mausmodell mit Leberkrebs die Funktion von p53 massiv unterdrückt. Das Gen für das Protein blieb so lange ausgeschaltet, so lange die Tiere nicht das Antibiotikum Tetracyclin (Doxycyclin) erhielten. Als die Wissenschafter den Tieren, denen man Leberzellkrebs übertragen hatte, die Substanz zuführten, geschah Erstaunliches: "Sogar eine kurze Reaktivierung von körpereigenem p53 bei Vorliegen von Tumoren ohne das Eiweiß bewirkte ein vollkommenes Verschwinden der Geschwulst." Dies sei nicht auf Apoptose, sondern das Altern der Zellen und eine Beseitigung durch eine Immunreaktion zurückzuführen gewesen.
Programmierter Selbstmord der Zellen
Auch Dr. Andrea Ventura vom Massachusetts Institute of Technology (Cambridge/USA) und seine Co-Autoren führen in "Nature" an Mäusen mit Lymphomen und Weichteil-Karzinomen (Sarkome) vor, dass die Tumoren offenbar auf eine ständige Inaktivierung von p53 angewiesen sind. "Wir zeigen, dass die Wiederherstellung von körpereigener p53-Expression zu einer Rückbildung von Lymphomen und Sarkomen führt." In diesem Fall fand allerdings Apoptose, also programmierter Selbstmord der Zellen, statt.
Schon viele erfolglose Versuche
Eine ähnliche Arbeit wird in der Fachzeitschrift "Cell" publiziert. Die Frage bleibt allerdings, wie man diese Erkenntnisse am besten für Krebspatienten ausnutzen könnte. Gerade auf dem Gebiet von p53 hat es schon sehr viele erfolglose Versuche dazu gegeben.
(apa/red)
