Friede wieder in weiter Ferne: 15 Tote bei erneuten Kämpfen im Gazastreifen!
- Fortsetzung der Gespräche von Hamas & Fatah offen
- Abbas trifft Livni am Rande des Weltwirtschaftsforums
Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Palästinenser-Gruppen sind am Jahrestag des Wahlsiegs der radikalen Hamas-Bewegung mindestens 15 Menschen getötet worden. Damit kamen in den Palästinensergebieten durch die jüngste Gewaltwelle mehr Menschen um Leben als an jedem anderen Tag seit dem Hamas-Sieg vor zwölf Monaten.
Unter den Opfern der Gefechte und Bombenanschläge von Anhängern und Gegnern der Regierung waren auch Zivilisten, unter anderem ein zweijähriges Kind. Mindestens 20 weitere Personen wurden verletzt. Angesichts der Gewalt wurden die Verhandlungen über die Bildung einer Einheitsregierung aus Hamas und Fatah verschoben.
Bei Schießereien im Süden Gazas starben acht Anhänger der regierenden radikal-islamischen Hamas, darunter auch ein Funktionär. Von der Hamas kommandierte Sicherheitskräfte erschossen ihrerseits ein Mitglied der Al-Aksa-Brigaden der Fatah, das sie wegen eines Bombenanschlags auf Hamas-Kräfte festnehmen wollten. Eine mit der Fatah verbundene Extremistengruppe will zudem 24 Hamas-Leute als Geiseln genommen haben.
Im Gazastreifen war auch nach Einbruch der Dunkelheit Gewehrfeuer zu hören. Die Zentrale der Sicherheitskräfte der Fatah in Gaza sowie das Wohnhaus des Außenministers wurden mit Granaten beschossen.
Ein Hamas-Sprecher drohte mit "gnadenloser Rache" für die Tötung der Hamas-Anhänger. Die Fatah warf ihrerseits den Hamas-Sicherheitskräften vor, das Brigaden-Mitglied Nabil al-Jarjir regelrecht hingerichtet zu haben. Jarjir habe das Feuer eröffnet, als er festgenommen werden sollte, sagte dagegen der Sprecher der Hamas-Regierung.
Davos: Abbas und Livni sprachen über Frieden
Abbas erörterte in Davos mit der israelischen Außenministerin Zipi Livni Wege zur Wiederbelebung des Friedensprozesses. Es sei jedoch nur ein Treffen von vielen gewesen, versuchte Livni anschließend die Erwartungen zu dämpfen. Beide kamen in einem Hotel zusammen, in dem 1994 schon Abbas' Vorgänger Yasser Arafat und der damalige israelische Außenminister Shimon Peres Friedensgespräche führten.
Als nächster wichtiger Schritt stünden Dreiergespräche zwischen Abbas, dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und US-Außenministerin Condoleezza Rice an, sagte Livni. Sie finden voraussichtlich im Februar statt. Abbas erklärte mit Blick auf dieses geplante Treffen, er glaube, die Amerikaner meinten es dieses Mal wirklich ernst. Während einer Diskussionsrunde hatten sich Abbas und Livni zum gemeinsamen Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt bekannt.
Das so genannte Nahost-Quartett hat für den 2. Februar ein Treffen in Washington anberaumt, um über eine Wiederbelebung des Friedensprozesses zu beraten. Der Weltsicherheitsrat sei optimistisch, dass dies den Friedensprozess in Schwung bringen werde, sagte dazu der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin in New York.
Konsulate Deutschland und Kanadas angegriffen
Bewaffnete Palästinenser griffen die diplomatischen Vertretungen Deutschlands und Kanadas im Westjordanland an. Auch die Filiale der Arabischen Bank in Ramallah wurde beschossen und mit Steinen beworfen. Zu Schaden kam niemand. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, an der deutschen Vertretung sei lediglich leichter Sachschaden entstanden.
Hamas-Kämpfer umstellten das Haus des Fatah-Aktivisten Mansur Shaleil und gaben nach Fatah-Angaben Schüsse darauf ab. Zwei Fatah-Anhänger wurden getötet. Fatah-Kämpfer brachten daraufhin 19 Hamas-Anhänger in ihre Gewalt. Vermittler versuchten, eine Freilassung der Geisel im Gegenzug für ein Ende der Belagerung des Hauses zu erreichen.
Hamas feiert erstes Wahlsieg-Jubiläum
Überschattet von der neuen Gewalt feierte die Hamas den Jahrestag ihres Siegs bei der Parlamentswahl. An der Hauptkundgebung im Flüchtlingslager Jabaliya nahmen mehrere tausend Hamas-Anhänger teil. Offenbar aus Sicherheitsgründen sagte Ministerpräsident Ismail Haniyeh einen geplanten Auftritt dort ab und hielt statt dessen in der Stadt Gaza eine Rede. Der internationale Boykott gegenüber der Hamas-Regierung sei wirkungslos, Konzessionen seien nicht gemacht worden, sagte Haniyeh.
(APA/red)
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