Freitag, 26. Jänner 2007

Sarkozy im Zwielicht: Frankreichs Polizei bestätigt Existenz von Bespitzelungsakt

  • Über Berater von Rivalin Segolene Royal angelegt
  • Präsidentschaftskandidat nennt Vorwürfe "lächerlich"

In Frankreich ist der bürgerliche Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy ins Zwielicht geraten: Die dem Innenminister unterstellte Polizei räumte ein, eine Akte über einen Umwelt-Berater von Sarkozys linker Rivalin Segolene Royal angelegt zu haben. Sarkozy wies erneut den Vorwurf zurück.

Der Nachrichtendienst der Polizei erklärte, die Akte sei bereits vor der Berater-Tätigkeit des Ex-Greenpeace-Sprechers Bruno Rebelle (siehe Bild links) und nicht auf Initiative Sarkozys oder seines Hauses angelegt worden. Royal forderte Präsident Chirac auf, für einen reibungslosen Wahlkampf zu Sorgen. Ihre Sozialisten verlangten zudem, dass Sarkozy aus dem Kabinett ausscheidet. Im Parlament kam es wegen des Streits um die Akte zu Handgreiflichkeiten.

Zuvor hatte eine Zeitschrift berichtet, der Dienst sei beauftragt worden, Rebelles Umfeld auszuspionieren. Die Sache ist deshalb pikant, weil Sarkozy für die Aktivitäten des Dienstes als Innenminister verantwortlich ist. Sarkozy wird voraussichtlich erst im Februar sei Ministeramt aufgeben, um sich voll dem Wahlkampf zu widmen.

Royal kommt die aktuelle Diskussion nach Einschätzung von Beobachtern gelegen. Sie liegt in den Umfragen vor den Wahlen im Frühjahr derzeit hinter Sarkozy. Allerdings sehen viele Franzosen den Politikstil des bisweilen forsch auftrumpfenden Innenministers mit Sorge.

Sarkozy nannte die Vorwürfe erneut "lächerlich". "Weder mein Büro noch ich selbst haben irgendetwas erbeten." Er bezeichnete die Debatte als Kampagne, die die Sozialisten angesichts ihrer schwachen Umfragewerte führten. (apa/red)

26.1.2007 08:23