Donnerstag, 25. Jänner 2007

Neues Schreiben gibt Chavez Hoffnung: Castro "liegt sicher nicht im Krankenbett"

  • Chavez präsentiert neuesten Brief seines Freundes
  • Vizepräsident: "Comandante" wird noch lange leben

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat Teile eines Briefes vorgelesen, den ihm sein kubanischer Amtskollege und Freund, Fidel Castro, gesandt hat. Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE versicherte Chavez, Fidel würde "mehr als er selbst herumlaufen" und jetzt "sicher nicht im Krankenbett liegen". Der 80-jährige kubanische Staats- und Parteichef kann seit Sommer vorigen Jahres wegen einer schweren Darmerkrankung seine Amtsgeschäfte nicht ausüben.

Der venezolanische Präsident forderte Medienvertreter auf, die offenbar kraftvolle Unterschrift des "Comandante" zu "analysieren". Dazu hielt er den Castro-Brief in die Fernsehkameras. Zum Inhalt des Schreibens wollte Chavez nichts sagen, weil ihn sein kubanischer Freund darum ersucht habe. Er zitierte lediglich einige Passagen, in denen sich Castro etwa besorgt über die Gefährdung der menschlichen Spezies durch die maßlose Verschwendung fossiler Energieträger zeigte.

Chavez äußerte sich anlässlich der Unterzeichnung mehrerer bilateraler Abkommen im Rahmen der so genannten "Bolivarianischen Alternative Amerikas" (ALBA). Dazu war der kubanische Vizepräsident Carlos Lage nach Caracas gereist und hatte das Castro-Schreiben mitgebracht.

Komplikationen nach Operation
Die spanische Zeitung "El Pais" hatte vor kurzem berichtet, dass es nach Castros erster Operation zu Komplikationen gekommen sei. Dem Revolutionsführer musste wegen einer Divertikulitis, einer Entzündung von Ausbuchtungen der Darmschleimhaut, ein Teil des Darms entfernt werden. Nach dem Eingriff habe Castro eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) erlitten, so "El Pais".

Der spanische Chirurg Jose Luis Garcia Sabrido, der Castro untersucht hatte, meinte zu dem Zeitungsbericht, dieser basiere auf "Gerüchten". Der kubanische Staatschef erhole sich langsam. Castro war seit Beginn seiner Erkrankung nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen und hat seine Machtbefugnisse seinem Bruder Raul übertragen.

Vize: Castro wird noch lange leben
Kubas Vizepräsident Carlos Lage hat bei einem Besuch in Venezuela versichert, Fidel Castro werde noch lange leben. In Kuba werde "der Sozialismus für immer und ewig bestehen", sagte er in Caracas. "Wir werden Fidel und (dessen Bruder) Raúl noch eine sehr lange Zeit unter uns haben", fügte er hinzu.

In Kuba wird der Gesundheitszustand des 80-jährigen Castro als "Staatsgeheimnis" behandelt. Ende Dezember war die bislang letzte Botschaft Castros verbreitet worden. Darin hieß es, der Erkrankte selbst habe gesagt, dass seine Chancen für eine Genesung gut seien. Ihm sei jedoch klar, dass der Prozess lange dauern werde. Wegen seiner Erkrankung hatte Castro nach 47 Jahren die Regierungsgeschäfte am 31. Juli 2006 seinem jüngeren Bruder Raúl übertragen.

(apa/red)

25.1.2007 07:38