Risse im Glasdach des Berliner Hauptbahn-
hofes: Weitere Unglücksursache vermutet
- Statiker vermutet, dass Auflager nicht in Ordnung war
- Komplett lose Konstruktion sei "sehr ungewöhnlich"
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Nach dem Absturz eines Stahlträgers von der Fassade des neuen Berliner Hauptbahnhofs sind nach einem Zeitungsbericht auch Teile des Glasdachs beschädigt. Über dem Haupteingang des Bahnhofs an der Invalidenstraße hätten Passanten einen Riss in einer Glasscheibe entdeckt, berichtet die "Berliner Zeitung".
Bahn-Sprecher Michael Baufeld bestätigte, dass es zwei bis drei Risse in dem Dach gebe. Von den Rissen gehe aber keine Gefahr aus, weil die Scheiben nicht herabstürzen könnten, sagte der Sprecher. "Es sei denn, sie hauen mit einem Vorschlaghammer drauf." Dann würde die Scheibe in Glaskrümel zerfallen und herunter rieseln. Nach und nach sollen die defekten Scheiben ausgewechselt werden.
Nicht nur Orkan schuld
Der Berliner Statiker Horst Franke vermutet neben dem Orkan Kyrill eine weitere Unglücksursache. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Träger nur vom Wind heruntergeblasen wurden", sagte der frühere Präsident der Berliner Baukammer dem Internetportal Netzeitung.de. "Ein möglicher Grund wäre, dass das Auflager, auf dem die Träger liegen, nicht in Ordnung war", fügt er hinzu.
"Sehr ungewöhnliche" Konstruktion
Franke zeigte sich erstaunt über die Konstruktion der Hauptbahnhof-Fassade. "Dass die Träger ganz ohne jegliche Befestigung auflagen, wundert mich schon." Zwar sei eine gewisse Beweglichkeit der 100 jeweils rund 20 Tonnen schweren Stahlträger "sicher notwendig" gewesen. Die komplett lose Konstruktion sei aber "sehr ungewöhnlich". Dies müsse aber nicht bedeuten, dass fahrlässig gehandelt worden sei. Stahlbaufirmen schweißen nun zusätzliche Metallplatten an, um zu verhindern, dass sich die Träger aus ihrer Verankerung lösen können. Dies ist aus Sicht Frankes eine "Notmaßnahme, aber keine Lösung".
Verantwortung beim planenden Ingenieur
Der Darmstädter Statiker Johann-Dietrich Wörner sagte Netzeitung.de, die Verantwortung für derartige schwerwiegende Vorfälle liege "grundsätzlich beim planenden Ingenieur". Medienberichte, wonach der jeweils zuständige Prüfingenieur die Verantwortung trage, wies er als falsch zurück. Der Prüfingenieur entlaste den planenden Ingenieur "nicht von der Verantwortung".
(apa/red)
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