Samstag, 27. Jänner 2007

Neuer Sprengstoff in Causa Strache: Fotos von FPÖ-Chef mit Neonazi-Gruß aufgetaucht

  • Westenthaler: FPÖ steckt tief "im braunen Sumpf"
  • Nach Fischer-Gespräch: 'Bin begeisterter Demokrat!'
    BILDER: Auch Ex-Führungskader der VAPO dabei

In der Causa der umstrittenen Jugend-Fotos von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist nun ein Foto aufgetaucht, das Strache mit einem Widerstands-Gruß der österreichischen Neo-Nazis zeigen soll. Eine Tageszeitung hat ein derartiges Foto veröffentlicht.

Das Foto zeige Strache Ende der 80er Jahre bei einem Treffen nationaler Burschenschafter. Er habe dabei den damals aktiven Rechtsextremisten Franz Radl begrüßt, erklärte die Tageszeitung "Österreich" in einer Aussendung. Strache, der im Burschenschafter-Outfit an einem Tisch sitzend abgebildet ist, spreizt auf diesem Bild drei Finger seiner rechten Hand, was von der Tageszeitung als "Widerstands- und Kühnen-Gruß" interpretiert wird.

Mit diesem Gruß hätten sich Ende der 80er Jahre traditionell die österreichische Neo-Nazis und Mitglieder der so genannten Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO) begrüßt, schreibt "Österreich". Dieser aus Deutschland importierte und dort verbotene Neo-Nazi-Gruß sei das Erkennungszeichen der österreichischen Neo-Nazi-Szene gewesen.

FPÖ: Weder Südtirol-Gruß noch Neonazi-Gruß
Die FPÖ hat in einer Aussendung ihre Aussage zurückgezogen, wonach das von der Tageszeitung "Österreich" veröffentlichte Foto Parteiobmann Heinz-Christian Strache mit einem "traditionellen Südtirol-Gruß" zeige. Dieses "Missverständnis bei der Interpretation" sei auf einen "Verständnisfehler" zurückzuführen, hieß es.

Das Foto zeige, so die FPÖ, "weder die erhobene Schwurhand, was wir zum Zeitpunkt unserer Aussendung und des Interviews allerdings noch nicht wissen konnten, noch zeigt es den freiheitlichen Bundesparteiobmann bei irgendeiner verbotenen oder dem Neo-Nazismus auch nur annähernd zuzurechnenden Geste". Die von "Österreich" vorgenommene Interpretation werde die Gerichte beschäftigen.

Strache hatte zuletzt nicht ausgeschlossen, dass es Bilder von ihm mit Hitlergruß geben könnte. Er könne sich das allerdings nicht vorstellen, so Strache in der "ZiB2". Wenn, dann sei das eine "dumme Provokation" gewesen.

Westenthaler: FPÖ versinkt "im braunen Sumpf"
BZÖ-Obmann Peter Westenthaler hat einmal mehr "enttäusche FPÖ-Wähler" eingeladen, "ein Stück des Weges mit uns zu gehen". Das BZÖ sei "die saubere Alternative rechts der Mitte. Mit mir als Bündnisobmann gibt es kein Anstreifen am Rechtsextremismus oder gar irgendwelche Neonaziumtriebe", so Westenthaler in einer Aussendung. Die FPÖ versinke "immer mehr im braunen Sumpf".

Justizministerium zeigt sich nicht alarmiert
Strafrechtlich dürfte das Foto, das FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei einem angeblich in der Neonazi-Szene bekannten "Widerstands- und Kühnengruß" zeigen soll - die FPÖ spricht von einem Gruß der "Südtiroler Freiheitskämpfer" - keine Folgen haben. Wie Christian Pilnacek, leitender Staatsanwalt in der Sektion für Strafrechtsverfahren im Justizministerium, auf APA-Anfrage erläuterte, dürfte es "unterhalb der Schwelle des Strafrechts" liegen.

"Alleine aus der Darstellung eines Grußes, ohne dass damit ein zusätzlicher Inhalt zum Ausdruck gebracht wird, lässt sich nur schwer eine Strafbarkeit konstruieren", sagte der Legist. Allenfalls wäre eine solche beim Hitlergruß gegeben.

Nach Fischer-Gespräch: 'Bin begeisterter Demokrat!'
Strache hat die Vorwürfe, er hätte Kontakt mit "Neonazis", zuvor als "absoluten Unsinn" zurückgewiesen. Er habe zu vielen Menschen Kontakte, frage die Bürger auf der Straße aber nicht nach einem Leumundszeugnis, so Strache im Gespräch mit der APA. Über die Foto-Affäre hat er mittlerweile auch mit Bundespräsident Heinz Fischer gesprochen und ihm die Geschichte mit seinen bereits bekannten Argumenten erklärt.

Er sei ein "begeisterter Demokrat" und "freisinniger Mensch", so Strache. Nach der von vielen Seiten geforderten Distanzierung vom NS-Gedankengut gefragt, erklärte er, sich immer "klar distanziert" und die "NS-Verbrechen verurteilt" zu haben.

Strache: Ex-Frau mit 200 Anrufen bombardiert
FP-Chef Strache kündigte an, demnächst an die Öffentlichkeit zu gehen. Kritik übte er am Vorgehen mancher Medien mit der Causa und sprach von einer "Hetzjagd, die bis in den familiären Bereich" ginge. Seine Familie und Menschen in seiner Umgebung würden "terrorisiert und gestalkt". Wenn etwa seine Ex-Frau mit 200 Anrufen bombardiert werde, würde auch die Erziehung der Kinder in Mitleidenschaft gezogen, beklagte Strache.

Auch Ex-Führungskader der VAPO auf Foto
Ein weiterer der auf den Fotos abgebildeten Personen soll ein Führungskader, genauer "stellvertretender Kameradschaftsführer", von Gottfried Küssels VAPO gewesen sein. Sein Name fand sich dem Dokumentationsarchiv zufolge im Telefonbuch des in Zusammenhang mit der Briefbombenserie 1993 bis 1997 festgenommenen Franz Radl jun. Auch Straches Name und der von Thierry standen laut DÖW in dem Buch. Radl jun. wurde in Zusammenhang mit den Briefbomben freigesprochen, stand aber auch wegen Wiederbetätigung vor Gericht.

(apa/red)

27.1.2007 12:59