Grasser-Konterfei als Zielscheibe benutzt?Aufregung um Schießspiele bei Heeres-Fest
- Show-Einlagen: Beamter schwächt seine Aussagen ab
- Platter verneint: Auf keine Menschenbilder gefeuert
·Gleichklang im Euro- fighter-U-Ausschuss
Grasser von Ex-Beamten Hillingrathner entlastet
·Stadler: Knackpunkt Jet-Lieferfähigkeit
Informationen an Firmen- vertreter weitergegeben?
·UMFRAGE: Ja oder Nein zu Eurofightern?
Abstimmen: Sind Sie für Ausstieg aus Kaufvertrag?
·Info: Die Antwort der Eurofighter-GmbH
"Grobe Einschätzung"
mit "keinerlei Gewähr"
·NEWS enthüllt Euro-
fighter-Werbevertrag
6,6-Mio.-Euro-Vertrag. Auftraggeber nicht EADS
·21 offene Fragen im Eurofighter-Ausschuss
NACHLESEN: Was alles geklärt werden soll

Eine Siegesparty für den Eurofighter im Herbst 2003 sorgt für Trubel. Ausgelöst wurde die Aufregung durch den mittlerweile pensionierten Ministerialbeamten Herbert Hillingrathner. Er berichtete im Eurofighter-U-Ausschuss von Schießspielen bei einem Fest, bei denen auch ein Bild von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser als Zielscheibe gedient hat. Der damalige Verteidigungsminister und jetzige Innenminister Günther Platter, der an der Party teilgenommen hat, dementierte umgehend, auf Menschenbilder geschossen zu haben.
Hillingrathner sagte vor dem Ausschuss, dass bei einem Fest am Fliegerhorst in Langenlebarn unter anderem ein Spiel veranstaltet wurde, bei dem er selbst, der damalige Verteidigungsminister Platter, Generalmajor Erich Wolf und Generalstabschef Roland Ertl als Piloten verkleidet wurden und auf Hometrainern sitzend auf Zielscheiben geschossen haben. Als Ziele gedient hätten dabei unter anderem Grasser, die "Kronen Zeitung" und ein "Schwammerl" (möglicherweise in Anspielung auf den Grünen Eurofighter-Gegner und Ausschussvorsitzenden Peter Pilz, Anm.)
Nun relativierte Hillingrathner seine Aussagen. Die Zielscheiben seien für jeden "individuell" zusammengeklebt gewesen. Ein Bild Grassers in "Passbild-Größe" sei einzig bei ihm angebracht gewesen. Getroffen habe er seinen damaligen Chef aber nicht. Auf den anderen Zielscheiben, die er nach eigenen Angaben gar nicht gesehen hat, sei "sicher kein Grasser" gewesen, sagte der ehemalige Beamte. Im Raum sei es zudem sehr dunkel gewesen und man habe in einer Entfernung von sechs bis sieben Metern gezielt, so dass niemand die Bilder erkennen konnte.
Platter und Wolf schlossen aus, auf Menschenbilder geschossen zu haben. Beide konnte sich auch an kein "Krone"-Bild erinnern und Platter auch nicht an ein "Schwammerl". "Die Scheibe hat sich unglaublich schnell gedreht", so der Minister. Wolf hingegen meinte, dass ein "Glückspilz" dabei gewesen sein könnte. Hillingrathner wiederum bekräftigte, dass ein "Krone-Stück" als Ziel gedient habe.
Pfeile oder Luftdruckgewehre?
Widersprüche gab es auch bezüglich der Bewaffnung. Hillingrathner sprach zunächst von Luftgewehren, und später von Pistolen, die mit einer "grauslichen, milchigen Flüssigkeit" gefüllten gewesen seien. Wolf korrigierte sich von Pfeilen auf Luftdruckgewehre. Gewonnen haben offenbar ex aequo Platter und Hillingrathner.
Die Aufforderung zum Spiel ist laut Platter spontan erfolgt. "Ich wollte die Piloten nicht enttäuschen", begründete er seine Teilnahme. Der Gesamtverantwortliche für das Eurofighter-Projekt, Wolf, bekannte sich zu den Feierlichkeiten: "Ich stehe dazu, dass es bei einer internen Feier Spaß geben darf. Es hat sich ja niemand daneben benommen, sondern herzlich gelacht. Und das muss möglich sein in diesem Land."
Nichtsdestotrotz hagelte es von allen Seiten Kritik. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina empörte sich darüber, dass Platter und Wolf "in offensichtlich sehr ausgelassener Stimmung und mit sehr fragwürdigen Spielen die größte Steuergeldverschwendung" gefeiert hätten. Er forderte ebenso wie FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und Grünen-Ausschuss-Mitglied Werner Kogler "volle Aufklärung". BZÖ-Abgeordneter Sigisbert Dolinschek verlangte die rasche Einberufung eines parlamentarischen Landesverteidigungsausschusses.
(apa/red)
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