Moscheeanschlag in Wien 2005: Spreng-stoff war "Terrorismus-Substanz" HMTD
- HMTD ist in internationaler Terrorszene üblich
- Anschlag 2005 in Hernals: Niemand verletzt worden
Der bei dem Anschlag auf eine Moschee in Wien-Hernals im November 2005 verwendete Sprengstoff war die Substanz Hexamethylentriperoxiddiamin (HMTD). Dieser wurde auch schon von islamisch motivierten Selbstmordattentätern verwendet. Laut Innenministerium sei jedoch eine solche Zuordnung nicht zulässig. Für die ermittelnden Beamten ergebe sich daraus keine neue Situation, hieß es auf APA-Anfrage.
Dass es sich bei dem Sprengstoff, der in der Nacht auf den 16. November 2005 in Wien-Hernals verwendet worden war, um HMTD handelte, haben österreichische und deutsche Ermittler in Kooperation herausgefunden, berichtete der Leiter des kriminalistischen Institutes des BKA Wiesbaden, Gottfried Vordermaier, bei einem Vortrag im Wiener Bundeskriminalamt am Mittwoch. Die Substanz sei "mehrfach vom islamistischen Terrorismus eingesetzt worden", erläuterte er.
Die Explosion vor der in einem Wohnhaus befindlichen Moschee in Hernals hatte sich gegen 2.30 Uhr ereignet. Durch die Detonation vor dem Gebäude waren mehrere Fenster- und Autoscheiben zu Bruch gegangen. Zudem wurde die hölzerne Eingangstür des Hauses Nummer 8 schwer beschädigt. Verletzt war bei dem Anschlag niemand worden.
"Für uns ist das nichts Neues, das Ergebnis liegt schon länger vor", sagte Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, zur APA. Hexamethylentriperoxiddiamin sei in den vergangenen Jahren "immer wieder von islamisch motivierten Attentätern verwendet worden, eine direkte Zuordnung ist aber dennoch nicht zulässig", so Gollia. Aus der neuen Erkenntnis ergebe sich "keine neue Situation für die ermittelnden Beamten", es werde "weiter nach unbekannten Tätern gesucht".
Das Verfahren, das bei der Staatsanwaltschaft Wien im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Moschee in Hernals gegen unbekannte Täter geführt wird, steht offenbar vor der Einstellung, ergaben APA-Recherchen. Offiziell gilt es bei der Anklagebehörde als derzeit abgebrochen. Grund: Trotz größter Bemühungen ließen sich bisher keine möglichen Tatverdächtigen eruieren.
"Wir sind ganz einfach an Ermittlungsgrenzen gestoßen", hieß es dazu am Mittwoch seitens der Staatsanwaltschaft. Umfassende Recherchen, Telefonüberwachungen und Standortpeilungen hätten keine Ergebnisse erbracht. Sogar DNA-Untersuchungen der Hausbewohner waren durchgeführt worden, um eine mögliche Verbindung zu dem Anschlag ausschließen können. Es ließ sich keinerlei Bezug der Hausparteien zu der Explosion herstellen.
Ob die Erhebungen im Licht der neuen Erkenntnisse wieder "reaktiviert" werden, konnte man bei der Staatsanwaltschaft vorerst nicht beantworten. Es bleibe abzuwarten, ob sich aus dem Sprengstoff-Gutachten ein neuer Ermittlungsansatz gewinnen lässt, meinte ein Behördensprecher.
(apa/red)
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