Der Preis spielt keine Rolle mehr - Wenn sich das traute Heim zum Luxus Spa wandelt
- Die Deutschen sind beim Thema Möbel Trendsetter
- Küche gewinnt an Bedeutung, Wohnzimmer verlieren
·Internationales Interior Design in Köln
Die Crème de la Crème bei den "Passagen 2007"
·7 Tage dreht sich alles rund ums Design
Die imm cologne 2007 öffnet ihre Pforten!
Was haben die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit verstellbaren Rückenpolstern zu tun? Auf der am Montag eröffneten weltgrößten Möbelmesse IMM Cologne ist die Antwort für die Aussteller klar. "Das Stichwort lautet Einigeln, Rückzug ins eigene Nest", sagt Bernd Göbel, Geschäftsführer von hülsta, einem der deutschen Marktführer. "Dazu hat der 11. September wesentlich beigetragen."
Aus Angst vor der Außenwelt schafft sich der Konsument daheim seine eigene Gegenwelt. Und das darf dann ruhig etwas kosten. Der Deutschen trautes Heim entwickelt sich langsam zu einer Wellness-Oase, einem Wohlfühlbereich bis zur Gästetoilette mit eingebauten Lautsprechern zur perfekten Beschallung.
Massage mit Musik
Eine der Attraktionen der Kölner Messe ist ein Bett, das den Besitzer zum Takt seiner Lieblingsmusik massiert. Wer es daheim so schön hat, will gar nicht mehr weg: Statt ins Kino zu gehen, legt er sich vor den Flatscreen, statt die Freunde im Restaurant zu treffen, lädt er in seine eigene Küche ein.
Küche statt Wohnzimmer
"Das Thema Essen hat zurzeit eine ganz hohe Akzeptanz", sagt Göbel. Das heißt nicht, dass man zurzeit besonders viel isst, sondern besonders viel übers Essen spricht. Das wiederum freut die Hersteller von Küchen und Esstischen. "Das Wohnzimmer hat dagegen an Bedeutung verloren", sagt Dirk-Uwe Klaas, Chef des deutschen Möbelindustrie-Verbands. Nach dem Essen bleibt man heute am Küchen- oder Esstisch sitzen, anstatt wie früher ins Polster zu sinken. Das Sofa wird mehr und mehr zur Familienecke und fällt deshalb kleiner aus.
Möbel around the world
Beim Thema Möbel sind die Deutschen Trendsetter. Nirgendwo sonst in der Welt lässt man sich die Wohnungseinrichtung so viel kosten. "In Frankreich geben die Leute mehr Geld für Rotwein und gutes Essen aus, im Süden verbringt man einen Teil des Jahres draußen", sagt Göbel. Die Engländer heben alte Möbel länger auf, und die Amerikaner ziehen so oft um, dass sie Möbel eher als Gebrauchsgegenstand sehen.
Was ist schon teuer?
Einige magere Jahre lang war allerdings auch in Deutschland nicht mehr viel zu verdienen. Von 2000 bis 2005 hat die Branche 15 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt. Von 1.400 deutschen Möbelherstellern vor zehn Jahren sind heute noch gut 1.000 übrig. Die Zahl der Stellen schrumpfte von 150.000 auf etwa 100.000. Erst 2006 brachte wieder ein Plus von gut fünf Prozent. Mit welchem Aussteller man in Köln auch spricht, jeder versichert, dass jetzt "Wertigkeit" gefragt ist. Das heißt konkret: Auf die Frage nach dem Preis eines Sofas kann ein schweizerischer Hersteller ohne rot zu werden sagen: "So zehn- bis zwanzigtausend Euro, genau weiß ich das nicht." Um dann die These aufzustellen: "Teuer ist nur, was man sich nicht gönnt."
Qualität zähltAuch Göbel meint: "Dieses Geiz-ist-Geil-Thema hat seinen Höhepunkt erreicht." Führende deutsche Hersteller exportieren jetzt sogar erstmals nach Japan und China. Natürlich sind dort keine Bauernschränke mit Zwiebelmuster gefragt. Die Kunden - allesamt Superreiche - wollen Möbel, die zu ihren deutschen Limousinen passen: 1a Qualität und alles in Hochglanz. Der Preis spielt keine Rolle. (dpa)
