'Kurskorrektur oder Rücktritt': Gesundheits- ministerin erzürnt Nichtraucher-Initiative!
- Kdolsky traf "einer Ministerin unwürdige Aussagen"
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Die Aussagen von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zum Thema Rauchen hat die "Österreichische Schutzgemeinschaft für Nichtraucher" auf den Plan gerufen. In einem Offenen Brief forderte sie "entweder eine Kurskorrektur oder einen Rücktritt". Erst tags zuvor wurde Kdolsky wegen ihrer Aussagen zu Kindern scharf kritisiert.
"Ihre Aussagen von letzter Woche sind so katastrophal, dass sie einer Gesundheitsministerin unwürdig sind", sagte Bundesleiter Robert Rockenbauer in dem Schreiben. Keinesfalls sei er bereit, "bei Null wieder anzufangen, nur weil Sie einen goldenen Mittelweg gehen wollen, den es aber beim Problem 'Rauchen' nicht geben kann, da die Gesundheitsschädigung durchs Passivrauchen nicht toleranzfähig ist".
Wenn Kdolsky die Raucher nicht diskriminieren wolle, dann diskriminiere sie im selben Augenblick die Nichtraucher, denn diese hätten ein Recht, rauchfrei zu essen, zu trinken und sich unterhalten zu können. Raucher hätten kein Recht auf Ausübung ihrer Sucht. Nichtraucherzonen seien ein Unsinn und Raucherräume in den Lokalen kaum möglich.
Als Gesundheitsministerin sei Kdolsky ausschließlich der Gesundheit der Bürger verpflichtet. "Man bekommt jedoch den Eindruck, dass Sie die Interessen der Tabakindustrie vertreten", meinte Rockenbauer. "Sollten Sie also nicht ernsthaft die Interessen der Nichtraucher vertreten, wäre es dringend nötig, vom Amt zurückzutreten", hieß es.
Molterer verteidigt Kdolsky
Vizekanzler Wilhelm Molterer verteidigt Kdolsky gegen Kritik aus den eigenen Reihen. "Wer Andrea Kdolsky angreift, bekommt es mit mir zu tun. Ich respektiere ihren persönlichen Lebensweg, Kinderlosigkeit ist nicht immer freiwillig", sagt Molterer in der "Wiener Zeitung".
Aber auch VP-interne Kritik
Die neue Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky sieht sich mit interner Kritik aus den eigenen VP-Reihen konfrontiert. Auslöser waren Aussagen der Ministerin zur Familienpolitik in einem vor kurzem erschienen Buch mit dem Titel "Kinderlos, na und? Kein Baby an Bord". Die selbst kinderlose Kdolsky kritisierte darin etwa eine "politische Verklärung der Mutterschaft" und lehnte eine Höherbewertung von Erziehungsleistungen von Familien in Relation zu Kinderlosen ab.
Die Obfrau des steirischen Familienverbandes und VP-Gemeinderätin Sissi Potzinger kritisierte Kdolsky in der "Kleinen Zeitung" auf Grund deren Aussagen als "inhaltlich völlig inkompetent". Offenbar kenne sie "nicht das System des Generationenvertrages", so Potzinger, die die Personalpolitik ihrer Partei "nicht mehr versteht".
Kdolsky hatte in dem von Birgit Kofler herausgegebenen Buch etwa gemeint, sie habe das Gefühl, dass die "Idealisierung der Elternschaft wieder viel stärker wird." Beschwere man sich über Kinder, die sich "unmöglich benehmen", so werde man sofort der Kinderfeindlichkeit bezichtigt, monierte die Ministerin, die die Mutterschaft laut eigenen Aussagen aber auch selbst gereizt hätte: "Ich wurde aber nicht schwanger."
Zum Thema Beziehungen und Kinder schreibt die VP-Ministerin, sie habe eine "so tolle Partnerschaft. Wer weiß, ob die auch so wäre, wenn wir ein Kind hätten..." Außerdem äußerte sie Befürchtungen, mit einem Kind würde ihr Partner in den Hintergrund geraten. Das habe sie "bei vielen Paaren" erlebt.
Kdolsky, die sich in Koflers Buch als "leidenschaftliche Tante" outet - auch, weil man die Kinder "irgendwann wieder zurückgeben kann"- , steht der Kritik ihrer Parteifreunde verständnislos gegenüber: Die Äußerungen beschrieben ihren "persönlichen Weg" und sollten nicht auf ihre Intention als Familienministerin umgelegt werden, sagte sie gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Patchwork-Familien: Kdolsky und Bures mit ähnlichen Positionen
Mit ziemlich ähnlichen Zugängen haben sich hingegen im Nationalrat Familien- und Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Frauenministerin Doris Bures den Abgeordneten in ihren neuen Funktionen präsentiert. Kdolsky warb für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und versprach einen stärkeren und effizienteren Schutz vor Gewalt. Genau der selben Themen will sich Bures annehmen nach sieben Jahren "viel Stillstand" im Frauenbereich unter den VP-geführten Regierungen.
Kdolsky richtete "ein Wort" an die Abgeordneten zu ihrer "Kompetenz trotz ungewollter Kinderlosigkeit". Dabei verwies sie darauf, dass die alt hergebrachte Form einer Vater-Mutter-Kind-Struktur heute vielfach durch Patchwork-Familien abgelöst sei. Auch dieser Frage müsse man sich stellen. Ihr gehe es um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie um die finanzielle Absicherung insbesondere junger und von Großfamilien.
Bures über Aussagen erfreut
Bures zeigte sich ob dieser Ansagen erfreut: "Das macht mir Mut und Freude." Sie selbst möchte eine neue Ära als Frauenministerin beginnen, nachdem es sieben Jahre viel Stillstand gegeben habe. Dabei sei ihre Prämisse, dass Frauen so leben sollten, wie es ihren individuellen Wünschen entspreche: "Sie wollen von uns nicht bevormundet werden. Sie wollen sich entfalten können."
BZÖ: Kdolski rücktrittsreif
Rücktrittsreif ist für BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky. Diese habe Kinder als lästige Elemente der Gesellschaft abqualifiziert, die sie beim Dinieren in New Yorker Luxusrestaurants stören würden, meinte Grosz: "Das schlägt dem Fass den Boden aus." (apa/red)
