"Weiß nicht, ob Partnerschaft mit Kind so
toll wäre": Aufregung um Familienministerin
- Kdolsky sorgt mit Buchbeitrag für Entrüstung in ÖVP
- Ministerin will sich um "Patchwork-Familien" kümmern
MITSTIMMEN: Kdolsky eine Minister-Fehlbesetzung?

·VP-interne Kritik
an Andrea Kdolsky
Aussagen in "Kinderlos"- Buch regen Partei auf
·MITSTIMMEN: Ist Kdolsky noch tragbar?
VP-Gesundheitsministerin
im Kreuzfeuer der Kritik
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Die neue Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky sieht sich mit interner Kritik aus den eigenen VP-Reihen konfrontiert. Auslöser waren Aussagen der Ministerin zur Familienpolitik in einem vor kurzem erschienen Buch mit dem Titel "Kinderlos, na und? Kein Baby an Bord". Die selbst kinderlose Kdolsky kritisierte darin etwa eine "politische Verklärung der Mutterschaft" und lehnte eine Höherbewertung von Erziehungsleistungen von Familien in Relation zu Kinderlosen ab.
Die Obfrau des steirischen Familienverbandes und VP-Gemeinderätin Sissi Potzinger kritisierte Kdolsky in der "Kleinen Zeitung" auf Grund deren Aussagen als "inhaltlich völlig inkompetent". Offenbar kenne sie "nicht das System des Generationenvertrages", so Potzinger, die die Personalpolitik ihrer Partei "nicht mehr versteht".
Kdolsky hatte in dem von Birgit Kofler herausgegebenen Buch etwa gemeint, sie habe das Gefühl, dass die "Idealisierung der Elternschaft wieder viel stärker wird." Beschwere man sich über Kinder, die sich "unmöglich benehmen", so werde man sofort der Kinderfeindlichkeit bezichtigt, monierte die Ministerin, die die Mutterschaft laut eigenen Aussagen aber auch selbst gereizt hätte: "Ich wurde aber nicht schwanger."
Zum Thema Beziehungen und Kinder schreibt die VP-Ministerin, sie habe eine "so tolle Partnerschaft. Wer weiß, ob die auch so wäre, wenn wir ein Kind hätten..." Außerdem äußerte sie Befürchtungen, mit einem Kind würde ihr Partner in den Hintergrund geraten. Das habe sie "bei vielen Paaren" erlebt.
Kdolsky, die sich in Koflers Buch als "leidenschaftliche Tante" outet - auch, weil man die Kinder "irgendwann wieder zurückgeben kann"- , steht der Kritik ihrer Parteifreunde verständnislos gegenüber: Die Äußerungen beschrieben ihren "persönlichen Weg" und sollten nicht auf ihre Intention als Familienministerin umgelegt werden, sagte sie gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Patchwork-Familien: Kdolsky und Bures mit ähnlichen Positionen
Mit ziemlich ähnlichen Zugängen haben sich hingegen im Nationalrat Familien- und Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Frauenministerin Doris Bures den Abgeordneten in ihren neuen Funktionen präsentiert. Kdolsky warb für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und versprach einen stärkeren und effizienteren Schutz vor Gewalt. Genau der selben Themen will sich Bures annehmen nach sieben Jahren "viel Stillstand" im Frauenbereich unter den VP-geführten Regierungen.
Kdolsky richtete "ein Wort" an die Abgeordneten zu ihrer "Kompetenz trotz ungewollter Kinderlosigkeit". Dabei verwies sie darauf, dass die alt hergebrachte Form einer Vater-Mutter-Kind-Struktur heute vielfach durch Patchwork-Familien abgelöst sei. Auch dieser Frage müsse man sich stellen. Ihr gehe es um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie um die finanzielle Absicherung insbesondere junger und von Großfamilien.
Bures zeigte sich ob dieser Ansagen erfreut: "Das macht mir Mut und Freude." Sie selbst möchte eine neue Ära als Frauenministerin beginnen, nachdem es sieben Jahre viel Stillstand gegeben habe. Dabei sei ihre Prämisse, dass Frauen so leben sollten, wie es ihren individuellen Wünschen entspreche: "Sie wollen von uns nicht bevormundet werden. Sie wollen sich entfalten können."
(apa/red)
