Mittwoch, 17. Jänner 2007

Tödliche Fieberkurve: Was Europa jetzt droht

Eine EU-Studie skizziert die Folgen einer Erwärmung von über drei Grad: Ab 2070 könnten jährlich 90.000 sterben. Nur zehn Jahre bleiben, um dieses Desaster zu verhindern.

"Ich glaube, der Winter ist abgesagt", meint die Russin Tanja Simjinowa mit einem Schulterzucken. Mit ihrem kleinen Sohn streift sie durch Moskau: Wo um diese Jahreszeit normalerweise arktische Temperaturen den Atem gefrieren lassen, werden plus fünf Grad gemessen. Beim Kreml sprießt grünes Gras. Dasselbe Bild in Kiew, in Polen und auch am Mittelmeer: Überall fallen die Wärme-Temperaturrekorde, in Nizza und Sizilien wird gebadet. In anderen Teilen Europas sorgte das Sturmtief „Franz“ für tödliche Orkane mit Sturmspitzen von über 160 km/h: Drei Menschen starben in Südschweden, ein Mann in Großbritannien, acht irische Fischer werden vermisst, die Innenstadt Hamburgs wurde überschwemmt. Gleichzeitig meldet Australien die ärgste Dürre seit tausend Jahren, am Himalaja schmelzen die Gletscher im Rekordtempo, während in Nordindien, Bangladesch und Pakistan bereits 300 Menschen erfroren sind. Auch in den USA beherrschen Wetterkapriolen den Jänner: Laue Frühlingstemperaturen von 22 Grad ließen in New York die Kirschblüten austreiben, während Schnee- und Eisstürme im Zentrum des Landes mindestens 25 Tote forderten. Minusrekorde beherrschen auch Kalifornien, wo die Orangen Eiszapfen tragen. Verzweifelte Bauern versuchen mit Heizstrahlern auf den Feldern ihre Ernte zu retten.

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17.1.2007 17:25