Wie Bettelstudenten ein Leben am Limit

UNI-Reportage. Wenig Geld, viel Druck, oft Angst. NEWS zeigt, wie Studenten wirklich leben und weshalb sie gegen die Studiengebühren demonstrieren.
Party pur. Eigentlich sind sie ständig von einem Festl zum nächsten unterwegs, schlendern nur zwischendurch mal auf die Uni und machen ein paar Prüfungen. Jedoch nicht zu viele, damit ihr Lotterleben noch möglichst lang ungehindert so weitergehen kann.
Nur ein mildes Lächeln hat Barbara Blaha für solche Vorstellungen vom Studentendasein übrig. Die Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) weiß selbst nur zu gut, dass der wahre Alltag ein anderer ist: Und zwar ein ständiger Kampf gegen die Zeit und für mehr Geld. Beides ist nämlich beim Großteil der heimischen Studenten mehr als knapp. 726 Euro Studiengebühren im Jahr fallen da stark ins Gewicht. Verraten und verkauft fühlt sich die ÖH-Chefin deshalb von ihrer eigenen Partei, der SPÖ, die ihr größtes Wahlversprechen gebrochen und sich vom freien Hochschulzugang verabschiedet hat. Nur konsequent, dass sich Blaha in der Folge ihrerseits von der SPÖ verabschiedete.
Zu wenig Geld zum Studieren. Aus ihrer eigenen Biografie weiß die 23-jährige Germanistikstudentin sehr wohl, was soziale Barrieren beim Hochschulzugang bedeuten. Als zweites von sieben Kindern in Wien-Simmering geboren, wuchs sie in engen und tristen Verhältnissen auf. Ihre Mutter starb mit 40 an Krebs, der Kontakt zum Vater brach ab. Trotzdem begann Blaha zu studieren, nahm ihren jüngeren Bruder mit in eine kleine Gemeindewohnung am Schöpfwerk. 380 Euro an Beihilfen erhielt sie fortan im Monat viel zu wenig, um über die Runden zu kommen.
Das Geld geht allein schon für Miete, Strom und Gas drauf. Früh musste sie deshalb bereits jobben, um sich die Uni überhaupt leisten zu können. Zur Aufbesserung der Finanzen unterrichtet sie etwa Lehrlinge, die sich auf die Berufsreifeprüfung vorbereiten. Mein Fall zeigt, erklärt Blaha, dass selbst die Befreiung von den Studiengebühren und erhöhte Beihilfen nicht zum Leben reichen. Gleiches gilt für die meisten jener 22 Prozent aller Studierenden, die aufgrund des geringen Einkommens der Eltern Stipendien zur sozialen Abfederung erhalten.
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