Neue Entwicklung in Causa Refco: Stand Bayerische Landesbank hinter Anteilen?
- Neuer BAWAG-Eigentümer Cerberus will prüfen
- Refco-Prozess in Manhattan startet am 12. März
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Zwischen den neuen BAWAG-Eigentümern rund um den US-Fonds Cerberus und dem früheren BAWAG-Großaktionär Bayerische Landesbank (BayernLB) kündigt sich eine scharfe Konfrontation an. Die Cerberus-Gruppe will sich genau anschauen, wieviel die Bayern von den Karibik-Geschäften wussten und ob sie in die Refco-Affäre verwickelt waren.
Hannes Androsch, künftiger BAWAG-Gesellschafter und Cerberus-Berater, spricht gegenüber der Zeitung "Österreich" ein seit längerem kursierendes heißes Thema an: "Es wird vermutet, dass die Hälfte des 27-Prozent-Anteils des ÖGB an Refco treuhänderisch für die BayernLB gehalten wurde."
Sollte dies stimmen, müssten sich die Manager in München auf eine harte Auseinandersetzung gefasst machen. "Dann ist die Frage, wieso die BAWAG und indirekt der ÖGB den gesamten Refco-Vergleich bezahlen mussten", so Androsch.
Dann würde auch ein "asset recovery" ein Thema sein. Demnach würde die BAWAG versuchen, einen Teil der Milliarde Euro für die Refco-Gläubiger von den Bayern zurückzukriegen. "Jedenfalls wird das rechtlich zu prüfen sein", so Androsch. Bis 2004 war die BayernLB mit 46 Prozent an der bisherigen Gewerkschaftsbank BAWAG beteiligt.
Laut Androsch ist in der gesamten Causa "noch sehr vieles aufklärungsbedürftig". Er rechnet damit, dass neue Zeugen-Aussagen im BAWAG-Prozess noch mehr Licht in die Sache bringen.
In Österreich geht die BAWAG jetzt daran, nicht betriebsnotwendige Immobilien zu Geld zu machen. Eine der Liegenschaften, die weit oben auf der Veräußerungsliste stehe, sei das BAWAG-Gebäude am Fleischmarkt 1 in bester Wiener City-Lage. Die Immobilie, die auch eine BAWAG-Filiale beheimatet, steht dem Blatt zufolge mit rund 80 Mio. Euro in den Büchern. Auf dem Dach befinden sich die zwei Penthäuser von Ex-ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und Ex-BAWAG-Chef Walter Flöttl, dem das Penthouse auch gehört. Solange die BAWAG nicht 100 Prozent der Liegenschaft besitzt, gilt sie als schwer verkäuflich.
Refco-Prozess in USA startet am 12. März
Der Prozess um die Milliardenpleite des US-Brokers Refco, an dem die BAWAG direkt bzw. der ÖGB (über Stiftungen) beteiligt war, beginnt vor dem US-Bezirksgericht Manhattan Süd am 12. März. Für die Ex-Manager des Instituts könnten die Refco-Prozesse noch einmal spannend werden. In der Anklageschrift gegen die Ex-Refco-Manager Bennett, Grant und Trosten kommt die österreichische Bank prominent vor.
Die Hauptvorwürfe laut "Presse": Die BAWAG sei als Miteigentümer involviert gewesen und habe Refco-Chef Bennett aktiv bei dessen Bilanzbetrügereien geholfen. Im Gegenzug sei Bennett der BAWAG dabei behilflich gewesen, deren Karibik-Verluste zu verschleiern.
Wie dieses Finanzringelspiel, das jeweils in der Bilanzierungszeit der Jahre 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 ablief, funktionierte, ist in der Anklageschrift detailliert beschrieben. Involviert war dabei neben der BAWAG und Refco noch eine Refco Group Holdings International (RGHI), die Bennett zum "Verstecken" von Refco-Verlusten gegründet hatte und an der eine Zeit lang verdeckt wohl auch die BAWAG beteiligt war.
Im Jahr 2000 lief das laut Anklageschrift beispielsweise so ab, wie die "Presse" aus der Schrift zitiert: Refco hatte 300 Mio. Dollar "Miese" in der RGHI abgelagert und als Forderung an die RGHI verbucht. Die BAWAG gewährte der RGHI einen 300-Millionen-Kredit, mit dem diese ihre "Schulden" bei Refco beglich. Refco behielt davon 75 Millionen für eigene "operative Kosten" ein und reichte die restlichen 225 Millionen als Kredit an die BAWAG weiter, sodass das (eigentlich von der BAWAG stammende) Geld nun als Forderung von Refco an die BAWAG in den Büchern stand.
Zwei Monate später lief die Transaktion in die umgekehrte Richtung: Refco borgte der RGHI 300 Mio. Dollar, mit der diese das ursprüngliche Darlehen bei der BAWAG zurück zahlte. Zweck der Übung: Die Millionen waren im Dreieck BAWAG - RGHI - Refco immer genau dort, wo man sie gerade zur Verlustverschleierung benötigte. Die Kredite wurden übrigens, wie die Anklageschrift vermerke, nicht schriftlich dokumentiert.
Bennett revanchierte sich laut Anklage für die "Gefälligkeit" damit, dass er zwischen 2000 und 2005 auf einem Refco-Konto für die BAWAG wertlose Anleihen und Investments hielt, für die dem Bericht zufolge ein falscher Wert von bis zu 500 Mio. Dollar angegeben wurde. Mit dieser in Wahrheit wertlosen Forderung konnte die BAWAG in ihrer eigenen Bilanz Karibik-Verluste verschleiern.
Laut vorliegender Anklageschrift war die BAWAG an Refco übrigens nicht mit 10, sondern (direkt und indirekt) insgesamt mit 47 Prozent beteiligt. Was laut "Presse" auch den hohen Anteil der österreichischen Bank am Refco-"Buyout" im August 2004 erklärt: Von den dabei erlösten 1,9 Mrd. Dollar seien 842 Millionen an die BAWAG geflossen.
Wie berichtet wollen sich die neuen BAWAG-Eigentümer unter Führung des US-Fonds Cerberus genau anschauen, wie weit die Bayerische Landesbank in die Refco-Affäre verwickelt war. Nach Angaben des künftigen BAWAG-Mitaktionärs Hannes Androsch "wird vermutet, dass die Hälfte des 27-Prozent-Anteils des ÖGB an Refco treuhändisch für die BayernLB gehalten wurde."
(apa/red)
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