"Steuerparadies" Schweiz: Immer mehr reiche Ausländer residieren in den Alpen
- James Blunt & Co. schwören auf niedrige Abgaben
- EU-Kritik an helvetischen Rabatten für Ausländer
·Molterer will Budget- pfad genau einhalten
Privatisierung von OMV und Telekom möglich
Ein ausländischer Star nach dem andern unterläuft via Schweiz seinen einheimischen Fiskus. Aktuellstes Beispiel ist laut Medienberichten der "Schmusesänger" James Blunt, der sich im Walliser Dorf Verbier ansiedeln will. "Beautiful", "schön", sei das Steuerparadies mit seinen hohen Bergen und tiefen Steuern, berichtete jüngst die Nachrichtensendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens SF in Anlehnung an ein bekanntes Lied des britischen Stars.
Verbier sei eine Hochburg vermögender Engländer, und Diskretion gehöre dort zum Gesamtpaket "schöner und billiger Wohnen in der Schweiz". Das Thema Geld und Steuern sei deshalb tabu. "Wir sollten uns glücklich schätzen, so viele Leute hierher holen zu können", sagte der lokale Tourismusdirektor Patrick Messelier gegenüber "10 vor 10".
Die Nachrichtensendung warf die Frage auf, wie lange es noch solche Steuerdeals geben werde. Brüssel schlage eine schärfere Tonart bei der Pauschalbesteuerung an. Aus der deutschen diplomatischen Vertretung in Bern verlautete, die EU-Staaten seien wie Badewannen, in welche die Schweiz Löcher bohre, um Wasser abzusaugen. Botschafter Andreas von Stechow findet die helvetischen Steuerrabatte für Ausländer "inakzeptabel". Dem deutschen Fiskus würden Millionen entgehen, aber auch andere Staaten blicken "grimmig" in den Alpenstaat.
Das Nachrichtenmagazin "Facts" berichtete in seiner aktuellen Ausgabe, die Berner Oberländer Gemeinde Sarnen/Gstaad habe sich zum Jahresende erstmals bei der Klientel der ausländischen Pauschalbesteuerten bedankt. 89 persönlich adressierte Briefe seien an ortsansässige Ausländer verschickt worden, die zusammen rund drei Mio. Schweizer Franken (1.85 Mio. Euro) in die Gemeindekassen spülen.
Nach einer "Facts" vorliegenden Liste bezahlt die Mehrheit der pauschalbesteuerten Ausländer in Sarnen/Gstaad zwischen 10.000 und 50.000 Schweizer Franken (6.200 bis 31.000 Euro) an Gemeindesteuern, und nur acht würden mehr als 100,000 Schweizer Franken (rund 62,000 Euro) überweisen. Von diesen Steuergeschenken profitieren klingende Promi-Namen wie Roger Moore, Bernie Ecclestone, Johnny Hallyday oder Gunther Sachs.
Das Leben dort müsse "besonders lebenswert sein", was zunehmend auch Reiche außerhalb des Showbusiness gemerkt hätten. Der Gstaader Gemeindepräsident Andreas Hurni sprach von einer zunehmenden, starken Verlagerung der Pauschalbesteuerten von den Showstars hin zu Topverdienern aus Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen.
Wohnen auf den "luxuriösen Hügeln des adretten Dorfes" sei zum unerschwinglichen Traum geworden. Für neu erbaute Wohnungen im Ortszentrum liege der Quadratmeterpreis um ein Mehrfaches höher als im Graubünder Prominenten-Wintersportort St. Moritz. Schweizer, und erst recht Einheimische, würden solche Preise nicht zahlen. Für Leute mit normalem Einkommen sei es schlicht unerschwinglich, etwas auf dem freien Markt zu kaufen, berichtete "Facts". Ein "empfindlicher" Bevölkerungsrückgang habe bereits eingesetzt.
Gesamtschweizerisch werden derzeit etwa 3.700 Ausländer pauschalbesteuert mit stark zunehmender Tendenz. "10 vor 10" spricht gar von 4.000. Die Abgaben dieser Personen an den Fiskus werden mit den einzelnen Kantonen ausgehandelt und nicht mit der Bundeshauptstadt Bern. (apa)
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