Freitag, 19. Jänner 2007

Götschl in Cortina geschlagen: Mancuso gewinnt Super G vor Hosp und der Steirerin!

  • Dritter Sieg innerhalb eines Monats für das US-Girl
  • Fischbacher fährt auf vierten Rang, Berger Siebente

Julia Mancuso ist die Rennläuferin der Stunde im Alpin-Weltcup. Nach der Abfahrt in Val d'Isere und der Superkombi in Zauchensee gewann die 22-jährige Riesentorlauf-Olympiasiegerin aus den USA auch den Super G in Cortina. Mit ihrem dritten Sieg innerhalb eines Monats verhinderte "Super Jules" einen totalen ÖSV-Triumph, denn hinter ihr landeten Niki Hosp, Renate Götschl und Andrea Fischbacher auf den Plätzen zwei bis vier.

Der erst dritte Super G der Saison hatte Anlaufprobleme. Wegen Regens musste der Start gleich viermal verschoben werden, erst mit dreieinhalbstündiger Verspätung ging es um 14.00 Uhr und mit Minutenstart endlich los. Und er endete mit dem ersten Weltcup-Triumph von Mancuso in der Heimat ihrer Vorfahren, nachdem sie vergangenen Februar in Italien schon überraschend Olympiasiegerin geworden war.

Mit ihrem Sieg in der vierten verschiedenen Disziplin bewies die fünfmalige Junioren-Weltmeisterin, die mit 15 Jahren im Weltcup debütiert hatte, einmal mehr ihr enormes Können. 0,33 Sek. lag die hoch talentierte Gefühlsfahrerin vom Lake Tahoe vor Hosp, nur eine Hundertstel dahinter musste sich Götschl mit dem "kleinen" Jubiläum zufrieden geben. Der Speed Queen blieb zwar der 10. Sieg unter der Tofana und nach Siegen in Lake Louise und auf der Reiteralm der Super-G-Saison-Hattrick versagt, zum 20. Podestplatz in ihrem "Wohnzimmer" reichte es einen Tag vor der Abfahrt aber allemal.

"Es war wegen der langen Warterei ein ganz anderes Rennen, dazu war die Sicht sehr schlecht. Deshalb muss ich mit einem Podestplatz wirklich zufrieden sein", sagte Götschl mit einem süß-saurem Lächeln. "Ich bin einfach nicht richtig ins Rennen gekommen, hab mich eher durchgeschwindelt", gestand die 31-jährige Steirerin, deretwegen rund 80 Fanklub-Mitglieder nach Cortina gekommen sind.

Auch Mancuso, schon im Vorjahr hier zweimal Zweite, steht sehr auf den Dolomiten-Ort. "Ich liebe Cortina definitiv. Und derzeit funktioniert bei mir sowieso alles", sagte die US-Amerikanerin mit Mafia-Wurzeln, die wegen einer Hüft-Operation verspätet in die Saison gestartet war und seitdem im Bus von Daron Rahlves durch den Weltcup-Zirkus kurvt.

Happy war auch Hosp. Schon im Dezember auf der Reiteralm war sie Zweite (hinter Götschl) gewesen, damit hat die Tirolerin ihr WM-Ticket im Super G wohl endgültig fixiert. Den ersten Saisonsieg verspielte die Bichlbacherin mit einer zu verhaltenen Fahrt im oberen Teil. "Zu viel auf Linie, unten hab ich es dann eh tuschen lassen", sagte Hosp und gratulierte: "Julia ist einfach in Superform."

Auch ohne Sieg wurde der Super G zu einem Mannschaftserfolg für die ÖSV-Damen. Obwohl sich Marlies Schild schon nach wenigen Sekunden auf kuriose Weise "verfuhr" und wie die gestürzte Katja Wirth ausschied, die bitter enttäuschte Alexandra Meissnitzer auf Platz 24 durchgereicht wurde, gab es die Plätze 2, 3, 4, 7 (Silvia Berger) und 12 (Elisabeth Görgl).

Vor allem Fischbacher, die sich mit 0,39 Sek. Rückstand Platz vier mit der US-Mitfavoritin Lindsey Kildow teilte, strahlte über ihr erstes Ergebnis nach zwei Ausfällen im Super G.

Götschl machte schlechte Sicht und vor allem eine löchrige Piste dafür verantwortlich, dass ihr kein optimaler Lauf gelungen war. Außerdem sei es hart gewesen, die Konzentration über die langen Stunden des Wartens aufrecht zu halten. Besonders Pech hatte die Steirerin schon ganz in der Früh gehabt, als sie wegen des Stromausfalles eine halbe Stunde im Regen am Sessellift sitzen musste. "Ich war am dritten Sessel, das hat gedauert", so Götschl.

Insgesamt habe wegen der stundenlangen Warterei natürlich etwas die Spannung nachgelassen, gab Götschl zu. "Wenn dann fünf Stunden später doch noch ein Rennen stattfindet, biegst die eineinhalb Minuten Rennen aber auch noch irgendwie runter. Enttäuscht bin ich aber nicht. Denn für die ganzen Umstände bin ich eh ein gutes Rennen gefahren", sagte sie.

So richtig rund lief es für Götschl auch bei der anschließenden Dopingprobe nicht. Beim ersten Versuch fehlte exakt ein Millimeter im Becher, erst im zweiten Anlauf war die Probe vollständig.

Ergebnis Damen-Super-G:
1.Julia MancusoUSA1:16,25 Min.
2.Nicole HospAUT1:16,58+0,33 Sek.
3.Renate GötschlAUT1:16,59+0,34
4.Andrea FischbacherAUT1:16,64+0,39
.Lindsey C. KildowUSA1:16,64+0,39
6.Anja PärsonSWE1:16,95+0,70
7.Silvia BergerAUT1:17,12+0,87
8.Jessica Lindell-VikarbySWE1:17,14+0,89
.Nadia FanchiniITA1:17,14+0,89
10.Petra HaltmayrGER1:17,18+0,93
11.Martina SchildSUI1:17,26+1,01
12.Elisabeth GörglAUT1:17,41+1,16
.Lucia RecchiaITA1:17,41+1,16
14.Kelly VanderbeekCAN1:17,43+1,18
.Maria RieschGER1:17,43+1,18
16.Fränzi AufdenblattenSUI1:17,46+1,21
17.Daniela CeccarelliITA1:17,52+1,27
18.Sylviane BerthodSUI1:17,61+1,36
19.Tina MazeSLO1:17,63+1,38
20.Kirsten L. ClarkUSA1:17,76+1,51
21.Kathrin WilhelmAUT1:17,91+1,66
22.Genevieve SimardCAN1:18,00+1,75
.Ingrid JacquemodFRA1:18,00+1,75
24.Alexandra MeissnitzerAUT1:18,05+1,80
25.Emily BrydonCAN1:18,28+2,03
26.Sarka ZahrobskaCZE1:18,29+2,04
27.Tina WeiratherLIE1:18,38+2,13
28.Libby LudlowUSA1:18,39+2,14
29.Stacey CookUSA1:18,51+2,26
30.Chemmy AlcottGBR1:18,58+2,33
weiter:
37.Maria HolausAUT1:19,14+2,89

Ausgeschieden: u.a. Katja Wirth (AUT), Marlies Schild (AUT), Nadia Styger (SUI)
Nicht am Start: Tanja Poutiainen (FIN)

(apa/red)

19.1.2007 16:44