Hrant Dink ist tot: Türkisch-armenischer Journalist bei Anschlag in Istanbul getötet
- Wurde wegen 'Beleidigung des Türkentums' verurteilt

Tausende Menschen haben in der Türkei gegen die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink protestiert. In Istanbul versammelten sich rund 2.000 Menschen zu einer spontanen Kundgebung auf dem Hauptplatz der Metropole. In der Hauptstadt Ankara folgten rund 700 Menschen einem Aufruf von Menschenrechtgruppen und Gewerkschaften und gingen auf die Straße. Hunderte Polizisten der Anti-Aufruhreinheit waren im Einsatz, um Zusammenstöße zu verhindern.
Während der Kundgebung in Istanbul skandierten Sprechchöre immer wieder: "Wir sind alle Hrant Dink, wir sind alle Armenier". Einige trugen Fotos des ermordeten Journalisten bei sich. Sie wollten anschließend gemeinsam zum Tatort marschieren, wo sich schon vorher hunderte Trauernde eingefunden hatten.
Dink war auf offener Straße in Istanbul erschossen worden. Der 53-jährige Herausgeber einer türkisch-armenischen Wochenzeitung hatte sich stets für die Rechte der armenischen Minderheit in der Türkei eingesetzt. Weil er das Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs als "Völkermord" bezeichnete, wurde er von der Justiz verfolgt. Von radikalen Nationalisten wurde er angefeindet. Sein Anwalt Erdal Dogan berichtete dem türkischen Nachrichtensender CNN-Turk, sein Mandant habe trotz mehrfacher Drohungen keinen Polizeischutz angefordert.
Die EU, die US-Regierung und Armenien verurteilten unterdessen einhellig die Ermordung Dinks. Mit Erschütterung reagierte die deutsche EU-Präsidentschaft auf den Mord. "Hrant Dink war ein mutiger Journalist, der seine Sache mit anhaltendem Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit verbunden und dabei große persönliche Risiken in Kauf genommen hat", hieß es in einer am Freitagabend in Berlin veröffentlichten Erklärung. "Die Präsidentschaft ist über diesen verabscheuungswürdigen Mord bestürzt und spricht den Angehörigen und Freunden ihr tief empfundenes Mitgefühl aus."
Obwohl die Hintergründe für die Tat noch nicht geklärt seien, stoße sie innerhalb seiner Regierung auf "einige Besorgnis", sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey, am Freitagabend in Washington. Washington verurteile es, wenn Menschen "eingeschüchtert werden oder unter Vergeltung leiden müssen, weil sie ihre Ansichten frei äußern".
Die armenische Regierung äußerte sich "schockiert". Dink habe stets daran geglaubt, "dass Verständigung, Verständnis und Frieden zwischen den Völkern möglich ist", erklärte Außenminister Wartan Oskanjan in Eriwan. Er forderte die türkischen Behörden auf, alles zu unternehmen, um die Verantwortlichen für das Attentat zu finden.
(apa/red)
Deutsche Sklavin befreit14:01
Frau schildert ihr Leid19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
