Donnerstag, 18. Jänner 2007

"Big Brother"-Skandal erschüttert britisch- indische Beziehungen: Wütende Proteste!

  • Rassistische Angriffe auf Bollywood-Queen im TV
  • Konsequenz: Blair muss vermitteln, Sponsor sagt ab

Ein Rassismus-Skandal um die "Big Brother"-Show in Großbritannien, in der die indische Starschauspielerin Shilpa Shetty täglich von ihren Mitbewohnern gemobbt wird, beschäftigt mittlerweile auch die britische Regierung. Finanzminister Gordon Brown sah sich auf der ersten Indien-Reise seiner Amtszeit gezwungen, die wüsten Angriffe auf die 31-jährige "Bollywood Queen" als schädlich für das Image der Briten im Ausland zu verurteilen. Der indische Vize-Außenminister Anand Sharma erklärte, Neu Delhi prüfe derzeit die "angemessene Antwort".

Das Parlament forderte Premierminister Tony Blair zu einer Stellungnahme zu den Exzessen in der Fernsehshow auf. Bei der Gesellschaft für Medienkontrolle Ofcom gingen bis zum Abend fast 20.000 Protestnoten ein - so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte. Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone warf der Produktionsgesellschaft Endemol vor, die rassistischen Ausfälle gegen Shetty absichtlich auszustrahlen. Die Firma schneide aus den 24-Stunden-Aufzeichnungen die Szenen für eine Stunde Sendezeit zusammen, sagte Livingstone am Mittwoch. Es sei deshalb klar, dass sie die rassistischen Kommentare absichtlich auf Sendung gebe.

Shetty ist einer von neun Stars, die in London abgeschirmt in einem Haus leben und dabei rund um die Uhr von Kameras gefilmt werden. Ihre Mitbewohner beschimpfen sie als "Hündin", einige Fernsehzuschauer wollen das Schimpfwort "Paki" gehört haben. Jetzt wurden erneut Beschimpfungen ausgestrahlt. Während eines Streits über einen Brühwürfel bezeichnete die Mitbewohnerin Jade Goody die Schauspielerin als "erbärmliche Fälschung und eine Lügnerin". Die aus dem Haus gewählte Ex-"Big Brother"-Bewohnerin Jackiey Budden sagte dem Magazin "Now", sie würde Shetty gerne den Hals umdrehen, "bis ihr die Augen ausfallen". "Diese Inderin hätte in Bollywood bleiben sollen." "Big Brother" ist das populärste Programm des Senders Channel Four.

"Big-Brother"-Sponsor wirft das Handtuch
Nach erneuten Rassismus-Vorwürfen gegen die britische Unterhaltungssendung "Celebrity Big Brother" hat einer der Sponsoren die Reißleine gezogen. Wie der Handy-Einzelhändler Carphone-Warehouse mitteilte, wurde der Sender Channel 4 aufgefordert, mit sofortiger Wirkung den Namen des Unternehmens nicht mehr zu verwenden.

In der Sendung werden nach dem Vorbild anderer "Big-Brother"-Programme prominente Gäste in einem Haus eingeschlossen und mit Kameras beobachtet. Die indische Bollywood-Schauspielerin Shilpa Shetty musste sich dabei immer wieder Beschimpfungen von Mitbewohnern erwehren, die als rassistisch gewertet wurden.

"Wir haben Channel 4 bereits in der Vergangenheit klar gemacht, dass wir unsere Einstellung zur Sendung überprüfen werden, wenn es so weitergeht", hieß es in einer Erklärung des Unternehmens. "Nichts, was wir gestern Abend gesehen haben, hat uns beruhigt."

Jüngster Stein des Anstoßes war ein Streit im Haus um Brühwürfel. Mitbewohnerin Danielle Lloyd rief: "Shilpa soll sich nach Hause verpissen. Sie kann nicht mal Englisch sprechen." Shetty sagte anschließend in einem Gespräch mit der britischen Schauspielerin und Mitbewohnerin Cleo Rocos, sie halte die Anwürfe für rassistisch: "Ich vertrete mein Land. Geht es so heute in Großbritannien zu? Es macht Angst." Der Sender bestritt, dass es sich um rassistische Äußerungen handele: Es sei vielmehr ein "Kultur- und Klassenkonflikt".

Der Streit hat auch politische Auswirkungen: So musste Premierminister Tony Blair im Londoner Unterhaus Stellung beziehen. Schatzkanzler Gordon Brown sah sich bei seinem Indien-Besuch gezwungen, das Bild Großbritanniens zu verteidigen.
(apa/red)

18.1.2007 16:13