Mittwoch, 17. Jänner 2007

Zwei Minuten vorgestellt: 'Atomkriegsuhr' steht jetzt nur noch fünf Minuten vor zwölf

  • 'Doomsday Clock' zeigt Entfernung von Atomkrieg an
  • Reaktion auf Atomprogramme in Nordkorea und Iran

Die Atomkriegsuhr, die zeigen soll, wie weit die Welt von einem Atomkrieg entfernt ist, ist um zwei Minuten vorgestellt worden. Die Uhr zeigt jetzt nicht mehr sieben Minuten, sondern nur noch fünf Minuten vor zwölf. Damit ist die Uhr so weit auf 12.00 Uhr vorgerückt wie seit dem Ende des Kalten Krieges gegen Ende der 80er Jahre nicht mehr. Die Zeitschrift "Bulletin of the Atomic Scientists" (BAS), die für die Uhr verantwortlich ist, begründete dies in London unter anderem mit den Atomprogrammen in Nordkorea und den Iran.

Die so genannte Doomsday Clock ("Uhr des Jüngsten Tages") wurde bereits 1947 gestartet, zwei Jahre nach dem Abwurf der US-Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Damals stand sie auf sieben Minuten vor zwölf. Im Lauf der Jahrzehnte wurde sie von atomkritischen Wissenschaftlern dann immer wieder der Weltlage angepasst. Am weitesten rückte der Zeiger 1953 - nach den Wasserstoffbombentests der USA und der UdSSR - vor: Die Uhr zeigte zwei vor zwölf. Am weitesten davon entfernt waren die Zeiger von 1991 bis 1995, als es 17 Minuten vor zwölf war.

Entschieden darüber wird von einem Wissenschaftler-Komitee, an dem auch 18 Nobelpreisträger beteiligt sind. "Wir stehen kurz vor einem zweiten Nuklear-Zeitalter", hieß es in einer Erklärung. "Der jüngste Atomwaffentest Nordkoreas, die Atom-Ambitionen des Iran, eine neue Betonung der militärischen Notwendigkeit von Nuklearwaffen, der gescheiterte Versuch, Nuklearmaterial angemessen zu sichern und die anhaltende Präsenz von rund 26.000 Nuklearwaffen in den USA und Russland sind symptomatisch für das Versagen, die Probleme der zerstörerischsten Technologie der Welt zu lösen."

Als Wissenschaftler sähen sie die Gefahren durch Atomwaffen sowie die drohende Klimakatastrophe, erklärte der britische Astrophysiker Stephen Hawking. "Als Erdenbürger haben wir die Pflicht, die Öffentlichkeit zu warnen. Die Doomsday-Uhr berücksichtigt bei der Einschätzung der aktuellen Gefährdung auch der Klimawandel, wie "Bulletin"-Redakteur Mark Strauss erklärte.

Das "Bulletin of Atomic Scientists" wurde 1945 angesichts der Sorge vor einem möglichen Nuklearkrieg als Informationsbrief für Atomphysiker gegründet und entwickelte sich zu einer Organisation, die ihren Blick allgemein auf Bedrohungen für das Überleben der Menschheit gelenkt hat. Die Gefahren des Klimawandels seien fast so schlimm wie die Bedrohung durch Atomwaffen, betonte die Gruppe.

(apa)

17.1.2007 19:04