Drei Darmoperationen fehlgeschlagen:
Kubas Staatschef Castro in ernstem Zustand
- Entzündung im Bereich des Dickdarms und Bauchfells
- Teile des Dickdarms entfernt - Havanna dementiert
Der Zustand des erkrankten kubanischen Staatschefs Fidel Castro ist anscheinend sehr ernst. Nach einer Infektion des Dickdarms seien Komplikationen aufgetreten, und drei Operationen seien fehlgeschlagen, schrieb "El País". Das Blatt berief sich auf Informationen aus dem Gregorio-Maranon-Krankenhaus in Madrid. Ein kubanischer Diplomat in der spanischen Hauptstadt wies den Bericht erwartungsgemäß als erfunden zurück.
Der Chefchirurg des Krankenhauses, José Luis Garcia Sabrido, war im Dezember zur Behandlung des 80 Jahre alten Castro nach Kuba geflogen. Damals habe Castro über eine offene Wunde im Unterleib täglich mehr als einen halben Liter Flüssigkeit verloren, schrieb die Zeitung, die sich auf zwei Gewährsleute berief. Der Staatschef werde intravenös ernährt. Eine Sekretärin Sabridos erklärte, der Chirurg werde sich zu dem Bericht nicht äußern.
Gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender CNN erklärte der Mediziner jedoch, er sei nicht die Quelle der Informationen. Alle Berichte, die nicht von Castros Ärzten in Havanna stammten, entbehrten jeder Grundlage. Der spanische Chirurg hatte im Dezember erklärt, Castro befinde sich auf dem Weg der Besserung. Er dementierte Informationen amerikanischer Geheimdienste, wonach Castro unheilbar an Krebs erkrankt sei.
Teil des Dickdarms entfernt
"El País" schrieb, Castro habe im Sommer eine Darmblutung erlitten. Daraufhin sei ihm ein Teil des Dickdarms entfernt worden. Die Genesung sei jedoch schleppend verlaufen, und er habe sich eine Bauchfellentzündung zugezogen. Eine zweite Operation zur Bekämpfung der Entzündung sei ebenfalls fehlgeschlagen. Hinzugekommen sei noch eine Entzündung des Gallengangs, die in 80 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Castro sei daraufhin ein in Südkorea hergestellter künstlicher Gallengang implantiert worden, der aber nicht funktioniert habe. Er wurde später von einem künstlichen Gallengang aus Spanien ersetzt, wie die Zeitung schrieb.
Castro hat nach einem spanischen Zeitungsbericht bei seiner Behandlung selbst über die Art einer Operation entschieden. Wie "El País" berichtete, wählte Castro dabei eine Technik, die Komplikationen auslöste und seinen Gesundheitszustand verschlechterte.
In einer Castro zugeschriebenen Erklärung zum Jahreswechsel hatte es geheißen, das Bemühen um Genesung sei "weit davon entfernt, eine verlorene Schlacht zu sein". Der Staatschef sprach Ende Dezember davon, dass seine Chancen für eine Genesung gut seien. Ihm sei jedoch klar, dass der Prozess lange dauern werde, betonte er in einem Kommuniqué anlässlich des 48. Jahrestags des Siegs der Revolution. Ende Juli hatte er mitgeteilt, dass er sich einer Notoperation am Darm habe unterziehen müssen. Offiziell wurde seither wenig über seinen Gesundheitszustand bekannt. Spekulationen über eine Krebserkrankung wiesen Regierungsbeamte zurück.
Auf Grund seiner Erkrankung hatte Castro die Regierungsgeschäfte auf der sozialistischen Karibik-Insel am 31. Juli 2006 an seinen jüngeren Bruder Raúl Castro, den Verteidigungsminister, übertragen.
(apa/red)
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