Sonntag, 21. Jänner 2007

Wind weht schwächer: Aufräumarbeiten nach Orkan Kyrill in Europa gehen weiter

  • GB: Probleme bei Bergung des Frachters vor Küste
  • Berliner Hauptbahnhof erneut teilweise gesperrt

Nach dem Durchzug des Sturmtiefs Kyrill über Europa sind die Aufräumarbeiten am Wochenende fortgesetzt worden. Der Wind wehte schwächer. Die Bergung des während des Orkans leck geschlagen Frachters "MSC Napoli" vor der Küste Großbritanniens wurde durch schweren Seegang erschwert. Aus dem inzwischen nahe der Stadt Sidmouth auf Grund gesetzten Schiff trat Öl aus und erreichte den Strand.

Kyrill forderte neben Großbritannien auch in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Tschechien, Frankreich, Belgien und in der Ukraine Todesopfer. Rund zwei Millionen Haushalte blieben ohne Strom, am schlimmsten betroffen war dabei Tschechien. Im Nordteil Großbritanniens galten noch Flutwarnungen.

Die "MSC Napoli" wurde von zwei Schleppern in der Lyme Bay auf Grund gesetzt. Das Schiff sei zu stark beschädigt, um es wie geplant weiter zum Hafen von Portland zu schleppen, teilte die britische Küstenwache am Samstag mit. "Die großen Risse auf beiden Seiten des Schiffes haben sich in der Nacht vergrößert. Das Heck des Schiffes sinkt immer weiter ins Wasser ein", hieß es in der Mitteilung. Durch das Stranden des Schiffes sollte sein Auseinanderbrechen verhindert und die Bergung der Ladung erleichtert werden.

In der Nacht auf Sonntag verlor das Schiff nach Angaben der Küstenwache auf Grund des immer noch starken Wellengangs rund 50 Container. Nach Berichten der BBC waren es sogar 150 Container. Diese hinderten den Angaben zufolge die Einsatzkräfte daran, das Schiff zu erreichen, um das Austreten von Öl zu verhindern. "Die Container, die vom Schiff gefallen sind, stellen eine Gefahr für die anderen Schiffe in der Umgebung dar", sagte ein Sprecher. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass sie gefährliche Güter enthielten. Die Küstenwache bemühe sich um die Bergung der Container.

Fernsehsender berichteten, ein Ölteppich habe bereits die Küste erreicht, einige Seevögel seien davon betroffen. Französische Behörden hatten zuvor bereits berichtet, das Schiff hinterlasse beim Abschleppen eine lange Ölspur im Ärmelkanal. Die "MSC Napoli" war inmitten des Sturmwetters in Seenot geraten.

Der 275-Meter-Frachter wies mehrere Risse auf, durch die auch Wasser in den Maschinenraum eindrang. Deshalb wurde ein Auseinanderbrechen befürchtet. An Bord des Schiffs waren mehr als 2.300 Container. In knapp 160 der Behälter sind insgesamt rund 1.700 Tonnen giftige Stoffe enthalten. Dabei handelt es sich nach Angaben der Küstenwache um Parfüm sowie Chemikalien für Industrie und Landwirtschaft.

Bahn sperrt erneut teilweise Berliner Hauptbahnhof
In Berlin hat die Deutsche Bahn unterdessen den oberirdischen Teil des Hauptbahnhofs zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wegen Sturms gesperrt. In einer Erklärung hieß es, es handle sich um eine Vorsorgemaßnahme, nachdem während des Orkans Kyrill am Donnerstagabend ein tonnenschwerer Träger der Fassade aus rund 40 Meter Höhe abgestürzt war. Die Zahl der Unwetter-Toten in Deutschland ist weiter gestiegen. In Mülheim an der Ruhr wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen, nachdem er vor dem starken Regen Schutz gesucht hatte.

(apa/red)

21.1.2007 15:32