Wann wird's mal wieder richtig Winter? Warmes Wetter sorgt für Chaos in der Natur
- NEWS: Österreich wartet weiter auf die weiße Pracht
- Prognose: Es bleibt in den nächsten Monaten warm

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Unfassbare 22 Grad machten den "Big Apple" am ersten Wochenende des Jahres zum "Bratapfel". Klar: Die New Yorker genossen die Wetterkapriolen im Central Park, ließen sich rücklings in der Sonne brutzeln oder zogen im leichten T-Shirt ein paar Runden über die Kunsteisbahn. Doch: Nicht nur in den USA ist es für den Wintermonat Jänner viel zu warm, auch in unseren Breiten zeichnen die Thermometer ein frühlingshaftes Bild. Bei bis zu 15 Grad in Wien und einer durchschnittlichen Schneefallgrenze von 2.000 Meter lassen die Österreicher jetzt ihre Wintermäntel im Kasten und ihre Ski im Keller.
In den Wintersportorten fällt das Warten auf die weiße Pracht naturgemäß am schwersten. Denn obwohl nach außen hin stets auf die technischen Möglichkeiten der Schneekanonen verwiesen wird, können viele Lifte noch immer nicht in Betrieb genommen und Talabfahrten noch immer nicht geöffnet werden. Mit den Semesterferien im Februar steht die Hochsaison vor der Tür - die Tourismusregionen fragen im Chor: "Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?"
Warten auf den Winter
Ernest Rudel, Wetterforscher an der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie, sieht das Ende des Klima-Wirrwarrs allerdings noch in weiter Ferne: "In den Niederungen werden sich die Temperaturen auch in den nächsten Wochen deutlich im Plusbereich bewegen. Die Großstädte kriegen diesen Winter wohl keinen Schnee mehr ab, und auch in den Bergen bleibt es weiterhin deutlich zu warm."
Schlaflose Bären, frühreife Zecken
Nicht nur Klimatologen, auch Fauna und Flora zeigen sich aufgrund des heurigen Winterausfalls irritiert. "Die österreichischen Braunbären, die sich normalerweise längst in ihren Höhlen zur Winterruhe verkrochen hätten, scheinen dieses Jahr durchzumachen. Immer wieder sichten wir einen schlaflosen Meister Petz auf Wanderung", erzählt WWF-Bärenexpertin Beate Striebel. Wegen der frühlingshaften Temperaturen und der fehlenden Schneedecke finden die Pelzriesen auch im Jänner noch Nahrung, beispielsweise graben sie nach Wurzeln in der Erde. Solange sich die Mägen füllen, bleibt das Schlafengehen also obsolet. Für den Fall, dass uns nach dem warmen Jahresbeginn doch noch ein Kälteeinbruch ins Haus steht, müssten sich die Bären aber sehr schnell umstellen.
Aber auch viel unliebsamere Tierchen werden durch die verfrühten Plusgrade aus ihren Verstecken gelockt. Veterinärmediziner warnen: "Üblicherweise kommen Zecken ja erst ab Ende April zum Vorschein, doch heuer finden sie schon jetzt gute Bedingungen vor. Wenn die Plusgrade weiter anhalten, sterben fast keine Eier ab, und auch die Larven finden schneller Nagetiere, deren Blut sie saugen können. Unter diesen Umständen könnten die Zecken bereits Ende Jänner aktiv werden", erklärt der Wiener Parasitologe Michael Löwenstein. Da die gefürchteten Tierchen als Überträger des FSME-Virus gelten, empfiehlt er schon jetzt eine prophylaktische Zeckenschutzimpfung.
Frühlingsgefühle bei Mensch & Tier
Nicht zuletzt wirkt sich das Wetterchaos auf Körper und Seele von Herrn und Frau Österreicher aus: "Weil es so warm ist, denkt unser Gehirn, dass es schon Frühling ist. Die Folgen: Wir sind aktiver und unternehmungslustiger. Wetterfühlige Menschen leiden allerdings unter diesem Klima. Viele haben mit Einschlafstörungen und allgemeiner Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen", so Stephan Rudas, Leiter des Wiener psychosozialen Dienstes. Ganz andere Gefühle ruft der vorzeitige Frühling in der Vogelwelt hervor: "Gänse, Enten und Störche beginnen bis zu zwei Monate früher mit dem Balzen. Die glauben eben, es ist schon wieder Saison", so Hermann Laher vom Wildpark Altenfelden.
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