Freitag, 12. Jänner 2007

Klosteraufhebungen in Österreich: Konflikt zwischen Kirche und Kaiser vor 225 Jahren

  • Über 700 Klöster aufgrund 2 Erlässen aufgehoben
  • Papst Pius VI. kam nach Wien, um zu verhandeln

Noch heute herrscht unter Historikern keine einhellige Meinung über die überhastete und vielfach nicht durchdachte Reformpolitik von Kaiser Josef II., die auch tief in das kirchliche Leben Österreichs eingegriffen und zu einem Konflikt des Monarchen mit der Katholischen Kirche und Papst Pius VI. geführt hatte.

Der sog. Josefinismus, ein vom Kaiser geschaffenes Staatskirchentum mit reformkatholischer Komponente, dem auch viele hohe Geistliche des Landes anhingen, sollte mit den Auswüchsen des barocken Katholizismus Schluss machen, der den kaiserlichen Bestrebungen nach Schlichtheit, Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit auch im kirchlichen Leben im Wege stand. Dies bewog Papst Pius VI. zu einem Besuch in Wien, wo er vergeblich versuchte, den Kaiser, der von der Richtigkeit seiner Maßnahmen überzeugt war, von seinen Auffassungen abzubringen und in seine Reformpolitik steuernd einzugreifen.

Josef II. kündigte an, Klöster aufzuheben
Schon die Toleranzgesetzgebung vom 13. Oktober 1781 für Protestanten und Griechisch-Orthodoxe, sowie jene vom 2. Jänner 1782 für Juden hatte die Katholische Kirche Österreichs beunruhigt, die darin eine Gefahr für ihre privilegierte Stellung im Reich sah. Am 29. November 1781 hatte Josef II. erstmals die Absicht angekündigt, Klöster aufzuheben und dies damit begründet, "jene Orden können Gott nicht gefällig sein, die sich nicht mit Krankenpflege, Unterricht und Jugenderziehung beschäftigen, also dem Nächsten ganz und gar unnütz sind".

Kontemlative Orden aufgehoben
Um 1770 gab es in den österreichischen Erbländern und Ungarn 2.163 Klöster mit etwa 45.000 Mönchen und Nonnen. Deren Einnahmen betrugen jährlich etwa 40 Mill. Gulden. Im ersten, vor genau 225 Jahren datierten Erlass vom 12. Jänner 1782, wurden ausdrücklich die aufzuhebenden Orden genannt: Kartäuser, Kamaldulenser, Eremiten, Karmeliterinnen, Klarissen, Kapuzinerinnen und Franziskanerinnen, wozu dann kurz darauf noch Pauliner, Dominikanerinnen, Benediktinerinnen und Coelestinen kamen. Betroffen waren also in der Hauptsache kontemplative Orden, die weder Seelsorge betrieben, Schulen unterhielten oder karitative "nützliche" Tätigkeiten ausübten. Dazu kamen auch Klöster, deren Finanzgebarung in Unordnung war.

Klöster umgewandelt
Am 23. Mai 1783 begann die zweite Phase, ein wahrer "Klostersturm": 738 Klöster in Österreich und Ungarn wurden aufgehoben, sie wurden in Spitäler, Irrenhäuser, Arbeiterwohnungen, Kasernen, Monturdepots und Verwaltungsgebäude umgewandelt, einige wenige auch in Schlösser. Für 1791 war eine dritte Welle geplant, die aber durch den Tod des Kaisers nicht mehr zur Durchführung kam.

Besitz zu Religionsfonds zusammengefasst
Güter und Besitzungen der Klöster wurden in jedem der österreichischen Länder zu einem Religionsfonds zusammengefasst, der zur Versorgung von Klerikern und dem Unterhalt neuerrichteter Pfarren dienen sollte. In Österreich bestand dieser bis 1938. Die Verwaltung erfolgte durch staatliche Kommissionen mit kirchlichen Vertretern. Später wurden zur Aufbesserung des Religionsfonds auch reiche Klöster aufgehoben.

Papst Pius VI. reiste nach Österreich
Die Klosteraufhebungen und anderen Eingriffe in das kirchliche Leben veranlassten Papst Pius VI. ebenfalls vor 225 Jahren zum damals ersten Besuch eines Inhabers des Stuhles Petri in Wien. Bei Udine erreichte er das Staatsgebiet des damaligen Österreich, wo ihn der Nuntius in Wien, Garampi, und der Stellvertreter von Staatskanzler Kaunitz, Graf Cobenzl erwarteten.

Ankunft in Wien
Von dort ging es über Laibach, Marburg, Graz und den Semmering nach Wien. In Bruck/Mur wurde der Papst vom Wiener Erzbischof Christoph Anton Migazzi erwartet, in Neunkirchen (Niederösterreich) erfolgte auf offener Straße eine herzliche Begrüßung durch den bis hier entgegengekommenen Kaiser Josef II. Am 22. März traf der Papst in Wien ein, wo er zunächst in der Kapuzinerkirche eine Messe zelebrierte und am Grab Maria Theresias ein Gebet verrichtete. Höhepunkt seines Wien-Aufenthaltes war der Ostergottesdienst im Stephansdom und die Erteilung des Ostersegens von der Balustrade der Kirche Am Hof aus.

Treffen von Papst und Kaiser
Bei seinen Verhandlungen mit dem Kaiser gewannen beide persönlich einen guten Eindruck voneinander und hatten füreinander großen Respekt. Doch verliefen die Verhandlungen fast ergebnislos: Der Kaiser blieb hart, vor allem in Sachen Toleranz, Zensur, Klerusausbildung, Ehedispense und Ordensbesitz. Nur bei der Kirchenverfassung, insbesondere Bischofsernennungen konnte der Primas von Ungarn einen Kompromiss durchsetzen.

Dunkle Prophezeiung über Kaiser
Am 22. April 1782 verließ der Papst Wien, was Josef II. mit einem Seufzer der Erleichterung quittierte. Pius VI. fuhr über St. Pölten und Linz nach Bayern, wo er am 25. April im Wallfahrtsort Altötting mit dem Salzburger Erzbischof Hieronymus Josef Graf Colloredo zusammentraf. Dann ging es wieder auf österreichisches Gebiet - über Innsbruck, den Brenner, Brixen und Bozen - nach Rom zurück, wo der Papst genau vier Monate nach seiner Abreise nach Wien wieder eintraf. Über den Kaiser sprach er die dunkle Prophezeiung aus: "Die Hand des Herrn wird schwer auf ihm liegen."

1855 Ende des Josefinismus
Obwohl Josef II., der 1783 zu einem Gegenbesuch nach Rom kam, persönlich ein frommer Katholik war, sahen liberale Kreise später in dem Monarchen einen Vorläufer ihrer Intentionen, begrüßten seine "antiklerikale" Politik und feierten ihn als Helden. Pro-Kleriker sahen in den Reformmaßnahmen des Kaisers ein Werk des Teufels. Dem so genannten Josefinismus wurde erst mit dem Konkordat von 1855 ein Ende gesetzt.

(apa/red)

12.1.2007 10:34