Megafusion im Schweizer Einzelhandel: Nr. 1 Migros übernimmt die Nummer 3 Denner
- Stillschweigen wurde über den Kaufpreis vereinbart
- Denner-Verkauf soll Wettbewerbsfähigkeit sichern

Paukenschlag im Schweizer Einzelhandelhandel: Migros, die einst zum österreichischen Konsum-Konzern gehörte, will Denner schlucken. Die Nummer eins der Branche übernimmt 70 Prozent am drittgrössten Lebensmittelhändler. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Denner bleibt eigenständig.
Mit dem Verkauf will die Familie von Denner-Chef Philippe Gaydoul die Wettbewerbsfähigkeit des Discounters langfristig sichern, wie beide Konzerne vor Journalsiten in Zürich bekannt gaben. Der Wettbewerb in der Schweiz sei mit dem Markteintritt ausländischer Einzelhandelsgiganten wie etwa der deutschen Aldi viel härter geworden und werde sich weiter verschärfen.
Herausforderungen schwer für Denner
Denner verfüge als ausschliesslich in der Schweiz tätiger Discounter nicht über genügend grosse Einkaufsvolumen, um die Preise der Konkurrenz aus dem Ausland unterbieten zu können. Die wachsenden Herausforderungen würden einen Alleingang von Denner auf längere Sicht nachhaltig erschweren, sagte Gaydoul.
Früher oder später an Grenzen stoßen
Trotz weiterer Expansion würde das Wachstum von Denner früher oder später an Grenzen stoßen. Deshalb verkaufe er die von seinem Grossvater Karl Schweri gegründete Discountkette lieber, solange es noch gut laufe.
Neuer Rekord beim Konzernumsatz
Im vergangenen Jahr klingelten erneut die Kassen. Der Konzernumsatz kletterte um 21,2 Prozent auf den neuen Rekord von 2,606 Mrd. Franken (1,62 Mrd. Euro). Dies ist unter anderem der Übernahme der 145 Pick-Pay-Läden vom deutschen Handelskonzern Rewe - in Österreich mit Billa, Merkur, Penny, Emma und Bipa vertreten - im November 2005 zu verdanken. Für das laufende Jahr seien allerdings deutlich tiefere Wachstumsraten budgetiert, hiess es.
Idealen Partner gefunden
Angesichts dieser Lage habe Denner mit der Migros den idealen strategischen Partner gefunden, erklärte Gaydoul: "Wir ergänzen uns in jeder Beziehung perfekt - auch beim Sortiment." Durch den Zusammenschluss mit der Migros bekomme Denner günstigere Einkaufskonditionen und könne die Preise tief halten.
Auch Migrod profitierte
Auch die Migros profitiere vom Schulterschluss, sagte Konzernchef Herbert Bolliger. Durch den Kauf von Denner könne sie ihre Position im überdurchschnittlich wachsenden Discountmarkt stärken und komme um den Aufbau einer eigenen Discountkette herum.
Herstellung von Denner-Eigenmarken
Eine solche würde "sehr viel Zeit und Kraft" in Anspruch nehmen. Zudem könne die Migros-Industrie sich um die Herstellung von Denner- Eigenmarken bewerben.
Restlichen 30 Prozent bleiben bei Gaydoul
Deshalb habe die Migros-Spitze entschieden, 70 Prozent von Denner zu übernehmen. "Die restlichen 30 Prozent bleiben im Besitze von Philippe Gaydoul", sagte Bolliger. Gaydoul werde Denner noch mindestens drei Jahre als Geschäftsleiter weiter führen.
Denner bleibt Denner
Denner werde auch nach dem Schulterschluss mit dem Migros- Konzern Denner bleiben und wie bisher als das Discounterkonzept unverändert weiterführen, ja sogar noch ausbauen, sagte Gaydoul: "Die Migros hat nicht nur mit Globus bewiesen, dass unter ihrem Dach Eigenständigkeit ein Erfolgsrezept ist."
Keine Veränderungen für Angestellte
Für die 3500 Angestellten von Denner führe der Besitzerwechsel zu keinen Veränderungen, versicherte Migros-Chef Bolliger. Zu Denner gehören 435 Filialen und 293 Satelliten.
Marktanteil von 18,9 Prozent
Gemeinsam kämen Migros und Denner auf einen Marktanteil im Schweizer Einzehandel von 18,9 Prozent. Während die Migros auf 16,6 Prozent komme, betrage Denners Marktanteil 2,3 Prozent. "Wir werden also immer noch ein gutes Stück unter 20 Prozent bleiben", sagte Bolliger.
(apa/red)
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