Freitag, 12. Jänner 2007

Der Zoff im Humanic-Clan: Eigentümer- familien decken einander mit Klagen ein

  • FORMAT: Dem Unternehmen droht die Zerschlagung
  • Aktionär erhebt Vorwürfe gegen Mehrheitseigentüme

Beim größten österreichischen Schuheinzelhändler, der Leder&Schuh - bekannt u. a. mit den Marken Humanic und Dominici - tobt ein Streit unter den Eigentümerfamilien. Ein Streit, der wie im Fall Palmers mit einer Zerschlagung des Familienunternehmens enden könnte. FORMAT liegt eine Klagsschrift vor, in der Leder&Schuh-Aktionär Clemens Corti alle Catene, 36, massive Vorwürfe gegen den Mehrheitseigentümer Michael Mayer-Rieckh, 71, erhebt.

Corti, dessen Mutter aus der langjährigen Miteigentümerfamilie Mayer-Heinisch stammt, ficht den Jahresabschluss 2005 gerichtlich an und wirft Michael Mayer-Rieckh vor, gegen den Syndikatsvertrag verstoßen zu haben. Außerdem geht es um die Bewertung des gesamten Humanic-Konzerns.

Erster Streitpunkt: Im Vorjahr hat Mehrheitsaktionär Michael Mayer-Rieckh anstatt der bisher üblichen Dividende von einer Million Euro stolze 12,9 Millionen Euro ausgeschüttet, also den gesamten Bilanzgewinn. Diesen Betrag habe Rieckh laut Klagsschrift benötigt, um die Kreditfinanzierung jener Aktien zu bedienen, die er vom Familienclan der Mayer-Heinisch erworben hatte, um sich die Mehrheit am Schuhunternehmen zu sichern.

Nächster Streitpunkt, vorgebracht von Rechtsanwalt Georg Muhri, der die Familie Corti vertritt: Rieckh habe die Bewertungsansätze des Schuhhandelsunternehmen generell viel zu niedrig angesetzt und sei dadurch zu günstig an die Firmenanteile seiner Verwandten gekommen.

Und schließlich - dritter Streitpunkt - hätten die Mitaktionäre aufgrund eines Formalfehlers bei der Neugründung der Leder&Schuh Holding AG im Vorjahr ein zusätzliches Steuerrisiko von rund 50 Millionen Euro tragen müssen.

Zu den aktuellen Vorwürfen will Clanchef Michael Mayer-Rieckh keine Stellungnahme abgeben. Leder&Schuh-Vorstandsvorsitzender Gottfried Maresch erklärt aber: "Die eingebrachten Argumente seitens Herrn Cortis sind bekannt. Zumal der Kläger Wirtschaftsprüfer ist, wurde eine eingehende Überprüfung durch Experten eingeleitet."

Laut Maresch sei man dabei zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, will er nicht näher auf die Details dieses Falles eingehen. Nur so viel: "Der Klage wird meiner Einschätzung nach wenig Erfolg beschieden sein."

Außerdem, so Maresch, stehe die überwiegende Mehrheit der Aktionäre voll hinter dem Unternehmen. In der Klagsschrift wird hingegen behauptet, dass Mayer-Rieckh durch sein "anachronistisches Führungsverhalten" das gesamte Unternehmen in Gefahr bringen könnte.

Die aktuelle Klage ist aber nur der bislang letzte Akt eines bereits lange andauernden Familiendramas. So hat Michael Mayer-Rieckh im April vorigen Jahres den damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Ridder für alle Beobachter überraschend gefeuert. Ridder hatte in seiner fünfzehnjährigen Tätigkeit die zu seinem Amtsantritt in schwerer Bedrängnis befindliche Leder&Schuh nachhaltig saniert und zur Nummer eins im heimischen Schuhhandel gemacht. Dafür hatte er zehn Prozent Anteile am Unternehmen erhalten.

Sollte sich der Prozess allerdings, wie Rechtsexperten erwarten, über mindestens eineinhalb Jahre hinziehen, droht dem Unternehmen die Lähmung und letztlich ein Schicksal wie Palmers - die Zerschlagung und der Verkauf an Familienfremde.

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12.1.2007 14:10