Freitag, 19. Jänner 2007

Böhmer und Loidl schweigsam: U-Häftliche entschlugen Aussage vor Banken-Ausschuss

  • Fragen über Abgeordnete wurden nicht beantwortet
  • Böhmer Auftritt bereits nach 15 Minuten vorbei

Die beiden Gründer der insolventen Wiener Wertpapierdienstleisterfirma AMIS, Dietmar Böhmer und Harald Loidl, haben sich vor dem Banken-Untersuchungsausschuss des Parlaments unter Verweis auf die gegen sie durchgeführten gerichtlichen Ermittlungen der Aussage entschlagen. Daher verlief der Auftritt der beiden Ex-Manager, die seit über einem Jahr in Haft sind, vor dem Ausschuss äußerst kurz. Die Fragen der Abgeordneten wurden nicht beantwortet.

Böhmer und Loidl waren nach der AMIS-Pleite im November 2005 in Venezuela verhaftet worden und befinden sich seitdem in Haft. Vorgeworfen wird ihnen gewerbsmäßiger Betrug bei AMIS, wo rund 16.000 Anleger, davon 10.000 in Österreich, etwa 70 Mio. Euro verloren haben. Für die beiden Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Sie wurden im Gewahrsam von Justizwachebeamten vom Gefängnis in den Budgetsaal des Parlaments, wo der Ausschuss tagt, gebracht.

Nach 15 Minuten war Auftritt beendet
Böhmer wurde zuerst in den Saal geleitet, begleitet von einer Vertrauensperson. Bei einer Fragerunde quer durch die Fraktionen beantwortete er keine der Fragen. Der SP-Fraktionsführer Kai Jan Krainer und der Grüne Werner Kogler versuchten, Böhmer auf die Rolle der Finanzmarktaufsicht im AMIS-Skandal anzusprechen, dieser gab sich aber zugeknöpft. Nach rund 15 Minuten war der Auftritt des U-Häftlings vor dem U-Ausschuss beendet. Der Ausschussvorsitzende Martin Graf (F) wünschte dem angeschlagen wirkenden Böhmer zum Abschluss noch "Alles Gute".

Auch Loidl schweigsam
Bei der Befragung von Loidl wiederholte sich das Bild. "Ich werde vor der
Hauptverhandlung keine Aussage tätigen, ich bin bereit nach der Hauptverhandlung Rede und Antwort zu stehen. Ich bitte jetzt um Verständnis", sagte Loidl, der ebenfalls von einer Vertrauensperson begleitet wurde. Der VP-Fraktionsführer Günter Stummvoll versuchte es trotzdem und sprach den ehemaligen AMIS-Vorstand darauf an, dass er vielleicht nicht alleine verantwortlich sei und hier die Chance habe, über die Rolle anderer in der AMIS-Affäre zu reden. "Ich kann mir nicht ganz vorstellen, dass sie die einzigen sind die das zu verantworten haben", meinte Stummvoll. Doch Loidl blieb weiter schweigsam.

Fotoscheu
Beide Angeklagte zeigten sich zunächst äußerst fotoscheu. Nach einigem Hin und Her konnten dann aber beide außerhalb des Sitzungssaals fotografiert und gefilmt werden.

(apa/red)

19.1.2007 15:00