Freitag, 12. Jänner 2007

Neue Ferrari-Führung: Todt weiter starker Mann - zieht die Fäden nun im Hintergrund

  • Neue Team-Führung geht hochmotiviert in Saison
  • PLUS: Michael Schumacher testet "derzeit" nicht

Mit einer italienischen Doppelspitze, Jean Todt als weiterhin starkem Mann im Hintergrund und Michael Schumacher als Ratgeber nimmt Ferrari nach zuletzt zwei Niederlagen im WM-Rennen einen neuen Anlauf auf den Titel. Einen derart radikalen Personalwechsel wie die Scuderia hat kein anderes Team für die neue Formel-1-Saison vorgenommen.

"Wir sind ein gut vorbereitetes Team und werden 200 Prozent geben", versprach der neue Technik-Direktor Mario Almondo beim traditionellen Ferrari-Medientreffen in Madonna di Campiglio. Der neue Teamchef Stefano Domenicali teilte mit, dass "derzeit" keine Testfahrten mit Schumacher geplant seien.

Ferrari hat nicht nur seine Führung, sondern auch seine Struktur komplett umgekrempelt. Jetzt haben nicht mehr nur zwei Personen wie bisher der zum Ferrari-Geschäftsführer aufgestiegene Todt und der einstige Technik-Direktor Ross Brawn, der sich ein Jahr Auszeit gönnt, das alleinige Sagen. Domenicali (41) und Almondo (42), die beide 1991 am gleichen Tag bei Ferrari begonnen haben, verstehen ihre Aufgaben mehr als Koordinatoren und haben deutlich weniger Machtbefugnis. Die zweite Führungsebene mit Aldo Costa (Design), Nicolas Tombazis (Aerodynamik), Gilles Simon (Motoren) und Luca Baldisseri (Rennstrategie) rückt stärker in den Vordergrund.

Allerdings hält der sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehende Todt im Hintergrund weiterhin die Fäden zusammen. "Er ist immer noch der Boss, hat aber nicht die Zeit, alle Einzelheiten zu verfolgen", schilderte sein Nachfolger Domenicali das wahre Kräfteverhältnis. "Todt kommt nach wie vor zu den Grand Prix, aber vielleicht nicht das ganze Wochenende." Almondo sagte, dass der Franzose natürlich wie jeder Chef eine "von uns getroffene Entscheidung korrigieren" könne.

"Pensionist" Schumacher hat in seiner neuen Rolle als Ratgeber wesentlich weniger Kompetenzen. "Michael kann seine Meinung sagen, aber die Entscheidungen treffen die Verantwortlichen", stellte Dominicali klar. Der zurückgetretene Rekord-Weltmeister soll seine einmalige Erfahrung weitergeben. Mehrere Meetings sind bereits fest vereinbart. Zudem ist ein ständiger Meinungsaustausch vor Ort oder über andere Kommunikationsmittel geplant. Schumacher wird früher oder später am Firmensitz Maranello, bei Tests und bei Rennen auftauchen. Wann der Kerpener nach seiner Regenerationsphase erstmals ins Geschehen eingreift, ist offen.

Klar ist, dass die verjüngte, "italienischere" Ferrari-Führung vor einer Riesen-Herausforderung steht. "Wir haben eine große Verantwortung nach einer solchen Erfolgsphase", verwies Almondo auf die beeindruckende Bilanz der Erfolgstroika Todt/Brawn/Schumacher mit sechs Konstrukteurs- und fünf Fahrertiteln. Die Neuen haben sich ehrgeizige Ziele gesteckt, hielten sich aber mit Prognosen zurück.

(apa/red)

12.1.2007 14:52
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