Freitag, 12. Jänner 2007

Virus-Erkrankung stoppt Jürgen Melzer:
Zu Halbfinale in Sydney nicht angetreten

  • Auch Antreten bei Australian Open ist gefährdet
  • "Im Moment könnte ich auf keinen Fall spielen"

Der Erfolgslauf von Jürgen Melzer beim Turnier in Sydney ist jäh gestoppt worden. Allerdings nicht vom Halbfinal-Gegner James Blake, der kampflos ins Finale einzog, sondern von einem Darmvirus. Melzer konnte nicht antreten und ist nun auch für die am Montag beginnenden Australian Open in Melbourne fraglich. Der Erstrunden-Gegner, Aufschlag-Riese Ivo Karlovic, wäre bei seiner aktuellen Form aber bezwingbar.

"Im Moment könnte ich auf keinen Fall spielen", sagte Melzer. "Ich hoffe einfach, dass jemand da oben auf mich herunterschaut und mich für Montag oder Dienstag spielbereit macht." Der 25-jährige Niederösterreicher, der mit einem glatten und überzeugenden Zweisatzerfolg über Tomas Berdych, immerhin Nummer 13 der Welt, in die Vorschlussrunde eingezogen war, war freilich extrem enttäuscht.

"Jürgen hat in der Nacht auf Freitag die ganze Zeit Durchfall gehabt und in der Früh auch erbrochen. Mittlerweile hat er auch 38 Grad Fieber", berichtete Coach Karl-Heinz Wetter. Melzer war zweimal beim Turnierarzt und bekam Infusionen. Der Genesungsprozess sollte damit freilich beschleunigt werden und auch einer Dehydrierung vorgebeugt werden. "Jürgen konnte ja nicht einmal etwas trinken."

Gerüchte von einer Lebensmittelvergiftung entkräftete Wetter. Zwar habe Melzer am Vorabend Sushi gegessen, aber "wir waren zu viert Sushi essen und keiner anderer hat etwas". Die Diagnose des Arztes lautet Darmvirus. "Ich hoffe, es klappt noch für Melbourne. Das gute an der Auslosung Karlovic ist, dass Jürgen da nicht viel laufen müsste, so komisch das klingt", meinte Wetter. Die Auslosung (eventuelle zweite Runde gegen den als Nummer 7 gesetzten Tommy Robredo/ESP) wäre aber nicht so übel.

Doch momentan möchte Melzers Langzeit-Coach nur, dass sein Schützling noch fit wird. "Jetzt haben wir bis April kaum Punkte zu verteidigen, Jürgen ist in sehr guter Form und dann das", haderte Wetter mit dem Schicksal. Auch für ihn selbst war es zuletzt wenig erfreulich. Nach einer Kiefer-Operation im vergangenen Dezember hatte er in Doha plötzlich eine stark geschwollene rechte Gesichtshälfte, danach quälte ihn ein eingezwickter Ischiasnerv auf den langen Flügen Richtung Australien. "Aber mir geht's schon wieder halbwegs."

Viel besser geht es freilich James Blake. Er kann nun im Endspiel seinen Vorjahrestitel erfolgreich verteidigen. Der Weltranglisten-5. war bereits auf der Tennis-Anlage, als er von der Aufgabe Melzers erfuhr. "Es ist ein bisschen bittersüß. Es ist toll, hier wieder im Finale zu stehen, aber ich bin enttäuscht für Jürgen. Er hat offensichtlich diese Woche tolles Tennis gespielt", meinte Blake sportlich.

Sein überraschender Finalgegner heißt Carlos Moya. Der frühere French-Open-Champion hatte auf dem Weg dorthin einige Mühe: In Runde 1 wehrte der 30-Jährige gegen den unbekannten Luke Burgeois (AUS) einen Matchball ab, gegen seinen spanischen Landsmann Fernando Verdasco gleich fünf und im Viertelfinale gegen Marcos Baghdatis lag er im dritten Satz schon 3:5 zurück. Besonders kurios: Das Duell Blake - Moya gibt's innerhalb weniger Tage gleich zweimal, denn nach dem Finale in Sydney am Samstag treffen sie auch in der ersten Australian-Open-Runde aufeinander.

(apa/red)

12.1.2007 12:22