Freitag, 12. Jänner 2007

Mindestens vier Todesopfer: Erneute Kämpfe in Somalias Hauptstadt Mogadischu

  • USA dringen auf schnelle afrikanische Friedenstruppe
  • EU äußert wiederholt Kritik an US-Luftangriffen

Bei Kämpfen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Die Kämpfe vor der Residenz des Präsidenten brachen nach Augenzeugenberichten aus, als der von Äthiopien unterstützte Übergangs-Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed mehrere Warlords zu Gesprächen in der so genannten "Villa Somalia" empfangen hatte. Zwei der Opfer waren unbeteiligte Passanten. Nach der äthiopischen Militärintervention in Somalia dringen die USA jetzt auf die rasche Entsendung einer afrikanischen Friedenstruppe in das ostafrikanische Land, um ein Machtvakuum zu verhindern. EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel hat die Luftangriffe der USA und Äthiopiens in Somalia als Bedrohung für die Chancen auf einen Frieden verurteilt.

Nach US-Medienberichten wurde bei den US-Luftangriffen in Südsomalia keiner der gesuchten führenden Al-Kaida-Terroristen getötet. Nach Informationen der Hilfsorganisation Oxfam wurden versehentlich Nomadengruppen mit ihren Viehherden getroffen, die nachts große Feuer entzündet hätten, um Mücken zu vertreiben. Außerdem seien Wasservorräte vernichtet worden. Washington hat den Milizen der so genannten Islamischen Gerichtshöfe vorgeworfen, Terroristen der Al-Kaida Unterschlupf gewährt zu haben. Nach dem Einmarsch der äthiopischen Armee hatten die Kämpfer der islamischen Milizen Mogadischu nach sechsmonatiger Herrschaft Ende Dezember kampflos aufgegeben und sich in das südliche Grenzgebiet zu Kenia zurückgezogen. Am vergangenen Wochenende war es in der Hauptstadt zu antiäthiopischen Demonstrationen gekommen.

"Die schnelle Stationierung einer afrikanischen Stabilisierungstruppe ist unbedingt notwendig, um die Bemühungen zur Herstellung von Stabilität zu unterstützen", erklärte der auch für Somalia zuständige US-Botschafter im Nachbarland Kenia, Michael Ranneberger, in einem Zeitungskommentar. Die Afrikanische Union (AU) und die ostafrikanische Regionalorganisation IGAD haben ihre grundsätzliche Bereitschaft erklärt, mehr als 8000 Soldaten nach Somalia zu entsenden. Allerdings ist die Finanzierung des Einsatzes ungeklärt.

EU-Kommissar Michel forderte in der Brüsseler Zeitung "Le Soir" einen Rückzug der äthiopischen Truppen aus Somalia und sprach sich für die Entsendung einer internationalen Stabilisierungstruppe aus. "Sehr besorgt" über die Lage somalischer Flüchtlinge an der Grenze zu Kenia zeigte sich das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR). Dort halten sich nach Angaben von Hilfsorganisationen bis zu 7.000 Geflohene auf, denen der Weg nach Kenia versperrt ist. Das Nachbarland befürchtet, dass unter ihnen Angehörige der islamischen Milizen sein könnten. "Wir versuchen Zugang zu bekommen. Es kann nicht sein, dass jemand nicht nach vor und nicht zurück kann", sagte Roland Schönbauer vom Wiener UNHCR-Büro. Eine gemeinsame Fact-Finding-Mission der UNO und der Regierung in Nairobi, um zu erkunden wie man den Flüchtlingen grenzübergreifend von Kenia aus helfen könne, habe aus Sicherheitsgründen auf nächste Woche verschoben werden müssen.

Hilfsorganisationen haben die bewaffneten Einheiten der somalischen Übergangsregierung - es handelt sich dabei um Warlord-Milizen - dazu aufgerufen, von ihnen rekrutierte Kindersoldaten zu entlassen. Ein entsprechender Appell wurde vom UNO-Kinderhilfswerk UNICEF und der Organisation "Save the Children" in Genf veröffentlicht. Dabei geht es um Kinder unter 15 Jahren, die wieder zu ihren Familien geschickt werden sollten, erklärten Sprecher. Zahlreiche Augenzeugenberichte belegten die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an den jüngsten Kämpfen. Über deren Zahl wurden keine Angaben gemacht. Mit Besorgnis würden auch Berichte beurteilt, nach denen somalische Kinder und Frauen unter den Opfern von Flächenbombardements der vergangenen Tage sein sollen und Flüchtlingslager mit Granaten beschossen worden seien.

(apa/red)

12.1.2007 13:41