Freitag, 12. Jänner 2007

Blutige Unruhen in bolivianischer Stadt Cochabamba: Kokabauern demonstrieren

  • Zwei Tote nach Schlägerei mit Polizeikräften
  • Machtkampf: Rücktritt von Gouverneur gefordert

In Bolivien sind bei Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Evo Morales zwei Menschen getötet und annähernd siebzig weitere verletzt worden. Zu dem Gewaltausbruch kam es nach viertägigen Unruhen, als Unterstützer des linksgerichteten Staatschefs in der Stadt Cochabamba gegen den zur Opposition gehörenden Gouverneur der gleichnamigen Region, Manfred Reyes Villa, demonstrierten.

Viele der Demonstranten seien durch Steine oder Stöcke verletzt worden, sagte Vizepräsident Alvaro Garcia Linera in La Paz. Eines der Opfer, nach Berichten örtlicher Medien ein Koka-Bauer, sei erschossen worden. Polizei und Armee gelang es später, die Lage zu beruhigen. Regierung und Opposition machten sich gegenseitig für die Ausschreitungen verantwortlich.

Die Morales-Anhänger hatten Cochabamba seit Tagen belagert, um den Rücktritt von Gouverneur Reyes zu fordern. Dieser will mit einer Volksabstimmung umfangreiche Kompetenzen für seine Region auf Kosten der Zentralregierung durchsetzen. Die Machtverteilung zwischen Zentralregierung und Provinzen ist besonders umkämpft, seit Oppositionelle in den wohlhabenderen Regionen im Osten des Andenlandes Straßenproteste organisiert haben. Viele von ihnen wollen sich von den ärmeren Regionen im Hochland lösen, in denen besonders viele Ureinwohner wohnen. Morales ist der erste indigene Präsident des südamerikanischen Landes.

Die Behörden schickten 1.500 Soldaten in die Provinzhauptstadt, um die Ruhe wieder herzustellen. Von ihnen war in der Nacht auf Freitag aber nichts zu sehen. Gouverneur Reyes verlangt die Wiederholung einer im Juli 2006 gescheiterten Volksabstimmung mit dem Ziel, seiner Provinz weitgehende Eigenständigkeit zu verschaffen. Reyes traf sich in La Paz mit anderen Gouverneuren des Oppositionslagers und bekräftigte, dass er trotz der Massenproteste nicht zurücktreten werde.

Vizepräsident Garcia warf Reyes in einer Fernsehansprache vor, seinen Gliedstaat in einer schweren Krise im Stich gelassen zu haben. Stattdessen sei er zu einer regierungsfeindlichen Verschwörung in die Hauptstadt gekommen. Morales hielt sich am Donnerstag in Nicaragua auf, wo er zusammen mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez an den Feiern anlässlich der Vereidigung von Präsident Daniel Ortega teilgenommen hat. (apa/red)

12.1.2007 15:37