Montag, 8. Jänner 2007

Spannungen in Frankreichs Regierungs-
lager: Schatten auf Kandidatur von Sarkozy

  • Jean-Marie Le Pen rechnet sich bereits Chancen aus
  • 81% der Franzosen gegen Chiracs Wiederkandidatur

Wenige Tage vor der offiziellen Nominierung ihres Chefs, Innenminister Nicolas Sarkozy, zum Präsidentschaftskandidaten fällt ein Schatten auf Frankreichs bürgerlich-konservative Regierungspartei UMP ("Union für eine Volksbewegung"). Zwei der engsten Vertrauten von Staatspräsident Jacques Chirac, Premierminister Dominique de Villepin und der Präsident der Nationalversammlung, Jean-Louis Debré, haben angekündigt, dass sie auf dem UMP-Kongress nicht für Sarkozy votieren würden.

Der Chef der rechtsextremen "Nationalen Front" (FN), Jean-Marie Le Pen, rechnet sich unterdessen bereits Chancen aus, im Mai in die Stichwahl gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal zu kommen.

81% der Franzosen gegen Wiederkanditur Chiracs
Villepin und Debré wollen bei dem Parteikongress am 14. Jänner anwesend sein, ohne sich an der Abstimmung über Sarkozys Investitur zum Präsidentschaftskandidaten zu beteiligen. Sie begründeten ihre Haltung dahingehend, dass der 74 Jahre alte Chirac noch nicht entschieden habe, ob er für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehe. Debré sagte: "Bevor ich mich definitiv entscheide, möchte ich wissen, welche Kandidaten für die Rechte und das Zentrum ins Rennen gehen". Der Staatschef hatte erklärt, er werde sich diesbezüglich "im ersten Viertel des Jahres" festlegen. Nach einem veröffentlichten Umfrageergebnis stehen 81 Prozent der Franzosen allerdings einer eventuellen Wiederkandidatur Chiracs ablehnend gegenüber.

Kein Gegenkandidat
Bei einem mehrtägigen Online-Votum der rund 330.000 UMP-Mitglieder hatte der 51-jährige Sarkozy keinen Gegenkandidaten, nachdem Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie auf eine Bewerbung verzichtet hatte. Doch hat die ehemalige Chefin der in der UMP aufgegangenen neogaullistischen Chirac-Partei RPR nicht ausgeschlossen, als Unabhängige anzutreten. In einem Fernsehinterview lobte Villepin Alliot-Marie in höchsten Tönen und nannte als potenziellen Kandidaten auch den Sozialminister Jean-Louis Borloo. Sichtlich verärgert reagierte Sarkozy darauf mit dem Ausspruch: "Wenn man eine politische Familie auf eine Kandidatur in Form von Erbsen oder Sardinen in Dosen festlegen will, dann wird man so nicht siegen". Einige prominente Chirac-Gefolgsleute wie die ehemaligen Premierminister Alain Juppé und Jean-Pierre Raffarin hatten sich Sarkozy angeschlossen.

Chirac wollte Sarkozy den Weg verbauen
Mit der Berufung von Villepin an die Regierungsspitze nach dem Fiasko des Referendums über die EU-Verfassung 2005 hatte Chirac nach Ansicht politischer Beobachter Sarkozy den Weg verbauen wollen. Doch geriet der Premier in den Strudel der "Clearstream"-Rufmordaffäre um angebliche Politiker-Schwarzgeldkonten. Villepin wurde beschuldigt, geheime Ermittlungen gegen den UMP-Chef in Auftrag gegeben zu haben, um an belastendes Material heranzukommen, das seinen innerparteilichen Rivalen kompromittieren könnte. Später soll er Sarkozy entlastende Unterlagen zurückgehalten haben.

LePen positiv gestimmt
Nach seinem spektakulären Abschneiden bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren sieht FN-Chef Le Pen die Möglichkeit, Sarkozy aus dem Rennen werfen zu können und neuerlich in die Stichwahl zu gelangen. "Aber im Gegensatz zu 2002 kann ich 2007 die Wahl gewinnen, weil ich wahrscheinlich gegen die Kandidatin der Linken antreten werde", erklärte der 78-Jährige in Saint-Cloud bei Paris. Eine Konfrontation zwischen ihm und Royal werde den Franzosen "die Wahl zwischen zwei radikal unterschiedlichen Optionen bieten". 2002 hatte es Le Pen in die Stichwahl gegen Amtsinhaber Chirac geschafft, nachdem er mit 16,86 Prozent der Stimmen den sozialistischen Kandidaten und damaligen Premierminister Lionel Jospin überflügelt hatte. In der zweiten Runde kam er dann auf 17,79 Prozent der Stimmen, Chirac auf über 82.

(apa/red)

8.1.2007 16:27