Dienstag, 9. Jänner 2007

Maria Rauch-Kallat muss auch abtreten: Schüssels Schützling fliegt aus Regierung

  • Bereits 2. Abschied aus Regierung für die Ministerin
  • Seit 40 Jahrein in der Politik: Beeindruckte Busek

Wolfgang Schüssel geht, da muss auch sein Schützling Maria Rauch-Kallat (57) weichen. Das Frauenressort geht an die SPÖ, das Gesundheitsministerium an Niederösterreich. Da war für die langjährige Generalsekretärin der Volkspartei kein Platz mehr frei im ÖVP-Team des Kabinetts Gusenbauer I.

Für Rauch-Kallat ist es der zweite Abschied aus der Regierung. In ihrer ersten "Ära" war sie von 1992 bis 1995 Ministerin für Umwelt, Jugend und Familie. Nunmehr kann sie darauf hoffen, möglicherweise der nächsten Volksanwaltschaft anzugehören.

In zweiter Ehe verheiratet, 2 Kinder
Maria Rauch-Kallat wurde am 31. Jänner 1949 als Wirtstochter in Wien geboren. Nach der Matura legte sie die Lehramtsprüfungen für Englisch, Deutsch, Geographie und Wirtschaftskunde sowie Leibesübungen ab. Sie hat zwei Töchter, eine davon stark sehbehindert (Claudia) und trotzdem in die Fußstapfen der Mutter als Lehrerin getreten. Die zweite (Ulrike) war vor der Geburt ihres Kindes Pressesprecherin von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Verheiratet ist Rauch-Kallat in zweiter Ehe mit dem burgenländischen "Grafen", Landwirt und Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly.

Seit 40 Jahren in Politik
Allzu viel Zeit hatte die Ministerin für die Familie freilich nie, sie belebt seit fast 40 Jahren die Politik, und das nicht nur durch ihre exotischen Hüte, die ihr in den 90ern einen schrillen Ruf einbrachten. Die Gesundheitsministerin war schon Bundesrätin, Wiener Landtagsabgeordnete, Umwelt- und Familienministerin, Abgeordnete zum Nationalrat und Generalsekretärin. Zumindest das Mandat im Hohen Haus bleibt ihr auch jetzt.

Busek beeindruckt
Für vieles hat sie sich schon stark gemacht in ihrem Leben. Da war zunächst das Engagement für die Rechte ihrer sehbehinderten Tochter. Aus persönlicher Betroffenheit gründete sie eine Elternselbsthilfegruppe und marschierte schnurstracks in das Büro des damaligen Wiener Vizebürgermeisters Erhard Busek. Ihm warf sie vor, die Behinderten in Wien schmählich im Stich zu lassen. Busek war beeindruckt, er engagierte Rauch-Kallat als Leiterin des Sozialen Hilfswerks. Einer seiner "bunten Vögel" war geschlüpft.

Nicht ohne Widersprüche
Rauch-Kallat ist in der oft grauen Politszene eine schillernde Politikerpersönlichkeit, ein wenig chaotisch, humorvoll, unpünktlich, pragmatisch, im persönlichen Umgang hilfsbereit, also nicht ohne Widersprüche: Als Umweltministerin war sie ökologiebewusst, als "Gräfin" machte sie den Jagdschein. Sie urgiert mehr Frauen in politische Spitzenämter und protestierte dennoch nicht, als ein Mann, Herbert Haupt, Frauenminister wurde. Und als die VP-Frauenchefin das Amt dann selbst übernahm, musste sie sich dauernd von Rot und Grün nachsagen lassen, selbst nichts zu tun.

Gesundheitsreform hinter sich
Als Gesundheitsministerin hat sie eine Gesundheitsreform hinter sich, die von vielen als halbherzig angesehen wurde. Das wiederum kann man nicht ihr alleine ankreiden. Zu viele Spieler gibt es im verwinkelten österreichischen Gesundheitssystem, als dass eine Ministerin alleine alles selig machen könnte. Zumindest bemühte sich Rauch-Kallat, das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung zu erhöhen, indem sie sich mit großem Einsatz unter anderem dem Kampf gegen die Volkskrankheiten verschrieb. Dabei scheute sie sich auch nicht, sich selbst als Model für Blutdruckmessen, Mundhygiene und ähnliches kameragerecht zur Verfügung zu stellen.

Ausbildung zur Psychotherapeutin
Jetzt, wo das Ministeramt weg ist, wird Rauch-Kallat wohl wieder mehr Zeit haben. Die könnte sie auch durchaus brauchen, will sie ihre neue Profession ausüben. Rauch-Kallat ließ sich zur Psychotherapeutin ausbilden.

(apa/red)

9.1.2007 13:24