Politische Bildung: Gusenbauer wird der zehnte Bundeskanzler der Zweiten Republik
- SPÖ & ÖVP ziehen in Zahl der Kanzler wieder gleich
- Bei Amtsdauer hat ÖVP noch knapp die Nase vorn
·INFO-GRAFIK: Alle Regierungen seit 1945
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SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer wird der zehnte Bundeskanzler der Zweiten Republik - sieht man von der knapp neunmonatigen provisorischen Staatsregierung unter Karl Renner nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab. Damit ziehen SPÖ und ÖVP in der Zahl der Bundeskanzler wieder gleich: Seit der ersten freien Wahl am 25. November 1945 kommen nun je fünf Regierungschefs von SPÖ und ÖVP.
Hinsichtlich der Amtsdauer hat die ÖVP nach ihrer siebenjährigen Koalition mit Blau-Orange die Nase knapp vorne: Sie kommt - berechnet mit dem 11. Jänner als Tag der Angelobung der neuen Regierung - auf 11.421 Tage bzw. 31,3 Jahre Kanzlerpartei, die SPÖ auf 10.881 Tage bzw. 29,8 Jahre. Eineinhalb Jahre muss die SPÖ also aufholen, um wieder die "führende" Kanzlerpartei zu werden. Als Regierungspartei führt die SPÖ dank der langen Zeit ihrer Alleinregierung unter Bruno Kreisky immer noch: Mehr als 50 Jahre war die SPÖ seit 1945 in Regierungen vertreten, die ÖVP 44,3 Jahre.
Bruno Kreisky war am längsten Kanzler
Auch die Kanzler mit der längsten Amtsdauer kommen aus der SPÖ: Bruno Kreisky (13,1 Jahre von 1970 bis 1983) und Franz Vranitzky (10,6 Jahre von 1986 bis 1997) waren die einzigen der bisher neun Regierungschefs, die sich mehr als zehn Jahre im Amt hielten. Platz 3 hält ein ÖVP-Kanzler, Julius Raab mit acht Jahren (1953-1961).
Der nun als Kanzler scheidende Wolfgang Schüssel schaffte es somit auch innerhalb der eigenen Partei nicht auf Platz 1: Mit knappen sieben Jahren (6,9 Jahre von 2000-2007) liegt er nicht nur hinter Raab, sondern auch hinter dem ersten Kanzler der Zweiten Republik, Leopold Figl (7,3 Jahre von 1945-1953).
Alfons Gorbach am kürzesten im Amt
Am kürzesten im Amt hielt sich bisher ein ÖVP-Kanzler - Alfons Gorbach, der weniger als drei Jahre (1961-1964) die Regierung anführte. Nur knapp über drei Jahre kamen die beiden roten Kanzler Fred Sinowatz (1983-1986) und Viktor Klima (1997-2000).
Bis 1970 regierte ÖVP, bis 2000 die SPÖ
In der chronologischen Aufteilung gab es zunächst zwei Blöcke: Von der ersten Wahl bis 1970 regierten ausschließlich ÖVP-Kanzler. Von 1945 bis 1966 standen sie Großen Koalitionen (genau genommen von 1945 bis 1947 einer Konzentrationsregierung samt KPÖ) vor, von 1966 bis 1970 war Josef Klaus Kanzler der bisher einzige allein regierende ÖVP-Kanzler. 1970 übernahm dann die SPÖ das Kanzleramt - zunächst mit dem allein regierenden Bruno Kreisky, dann mit Fred Sinowatz in der rot-blauen Koalition von 1983 bis 1986. 1986 begann die zweite Ära der Großen Koalition, jetzt unter den SPÖ-Kanzlern Franz Vranitzky und Viktor Klima.
2000 beendete VP-Kanzler Schüssel mit seiner schwarz-blau-orangen Koalition die langen "Hungerjahre" der früheren Kanzlerpartei ÖVP, die von 1970 bis 1983 gar nicht und dann als kleiner Partner in der Großen Koalition vertreten war. Obwohl die ÖVP nur mehr drittstärkste Partei knapp hinter der FPÖ war, wurde er Kanzler - und führte als solcher die ÖVP im Jahr 2002 in einen fulminanten Wahlsieg. Dies wiederholte sich 2006 nicht, die SPÖ lag überraschend knapp vorne - und wird nun nach relativ kurzer Absenz wieder Regierungs- und Kanzlerpartei.
(apa/Red)
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