Reisebranche steht vor Übernahmerunde:
Thomas Cook in der Offensive, Tui defensiv
- Cook gehört künftig ganz zum Riesen KarstadtQuelle
- Club Mediterranee und der Reisekonzern Kuoni?
Die europäische Reisebranche steht vor einer neuen Runde von übernahmen und Zusammenschlüssen. Eine aktive Rolle will dabei der Branchenzweite Thomas Cook spielen. Dagegen muss der von Verlusten geplagte europäische Marktführer TUI zumindest in Großbritannien um seine Vormachtstellung fürchten.
Cook gehört künftig ganz zum Essener Handelsriesen KarstadtQuelle, der kurz vor Weihnachten für 800 Millionen Euro den 50-Prozent-Anteil von Mitgesellschafter Lufthansa kaufte. Damit endete eine neunjährige Partnerschaft, die das Unternehmen zuletzt eher lähmte als beflügelte. Cook soll jetzt nach drei Jahren harter Sanierung mit klarer Eigentümerstruktur und dem Briten Manny Fontenla-Novoa als neuem Chef auf Expansionskurs gehen.
Machtkämpfe
Auch ohne offizielle Bestätigung ist es in der Branche ein offenes Geheimnis, dass KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff gern bald auch den Kauf des Pauschalreisegeschäfts des britischen Konkurrenten First Choice verkünden würde. Damit wäre Cook auf der Insel stärker als die britische TUI-Tochter Thomson.
Große werden größer
Aus Expertensicht wäre eine Marktbereinigung durch Fusionen und Zukäufe durchaus sinnvoll. "Die niedrigen Gewinnmargen der Reiseveranstalter in Europa zeigen, dass selbst die Marktführer den Touristikmarkt nicht beherrschen. Sie sind Getriebene", sagt Christian Obst, Touristikanalyst der HVB. Von daher könne es Interesse der Großen sein, noch größer zu werden, um tatsächlich Einfluss auf die Preisentwicklung zu bekommen.
Franzosen flirten mit Schweizern
In Frankreich wird derzeit über eine mögliche Allianz des Traditionsunternehmens Club Mediterranee mit dem schweizer Reisekonzern Kuoni spekuliert. In Deutschland gilt ein Einstieg Cooks bei den Touristikanbietern des Handelskonzerns Rewe als denkbar. Insbesondere die erfolgreichen Baustein-Veranstalter um die Marke Dertour würden zum Cook-Konzern passen, der in Nordrhein-Westfalen starke Pauschalanbieter ITS dagegen weniger, sagen Branchenexperten. Allerdings gibt es aus dem Rewe-Konzern bisher keine Anzeichen, dass sich das Unternehmen aus der Touristik verabschieden will.
Offensive oder Defensive
Während Middelhoff als Neuling in der Touristik in die Offensive geht befindet sich der Chef des Branchenführers TUI, Michael Frenzel, weiterhin in der Defensive. Der Reise- und Schifffahrtsriese war 2006 Schlusslicht im Deutschen Aktienindex (Dax) mit gut zwölf Prozent Kursverlust und schließt das Jahr voraussichtlich mit tiefroten Zahlen ab. Bis spätestens zur Hauptversammlung im Mai muss Frenzel Aufsichtsrat und Aktionären belegen, dass sein im Dezember beschlossener Sparkurs greift und der Tanker TUI wieder auf Kurs kommt. (APA/red)
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